Der Wert eines Menschen
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„Der Mensch ist unterbewertet“

Der zerstreute, menschenscheue, exzentrische aber von sich selbst überzeugte geniale Erfinder in seinem Labor –  so oder so ähnlich hat sich bestimmt schon so mancher einen großen Entdeckergeist vorgestellt. Elon Musk kommt dem meiner Vorstellung nach ziemlich nahe. Ich weiß natürlich nicht, wie er wirklich ist. Aber das Bild, das er selbst von sich selbst zeichnet, ist schon ein spezielles.

Ein Visionär ist Elon Musk ohne Frage. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX und das Elektromobil Tesla zum Beispiel sind zukunftsweisend und verändern ganz ohne Frage die Sicht auf das, was möglich ist in der Zukunft.

Dass der Mensch nicht gerade eine herausragende Rolle in Musks Welt spielt, konnte man hie und da schon lesen, wenn etwa Mitarbeiter über die Bedingungen in seinen Werken klagen.

Nun hat Elon Musk mal wieder einen Spruch rausgehauen: „Der Mensch ist unterbewertet.“ Was soll das heißen? Ich habe nachgelesen. Natürlich hat es mit den Produktionsabläufen zu tun. Die Technik will nicht so wie Musk. Da darf der Mensch wieder ran. Genaugenommen hat Musk also nicht die Menschen unterbewertet, sondern die gegenwärtige Technik überbewertet.

An Musks über Twitter in die Welt geschickten Spruch wird aber etwas Grundsätzliches im Umgang mit Menschen in der Arbeitswelt deutlich: Sie sind Werkzeuge für ein ökonomisches Ziel. Dasjenige, das besser funktioniert, wird eingesetzt. Genauso agiert Elon Musk und mit ihm viele andere.

Es geht nicht um den Menschen. Musk ist nicht zum Philanthropen mutiert und hat festgestellt, dass die Zukunft der Welt davon abhängt, die Leistung von Menschen wertzuschätzen. Er sieht seine Produktionszahlen in Gefahr. Die vorbestellten 400.000 Tesla Model 3 müssen irgendwie so schnell wie möglich an den Kunden.

Dennoch konstatiert seine Aussage, dass der Mensch einen Wert hat.
Nun gibt es keinen Wert an sich. Ein Wert ist immer eine Nenngröße, etwas, das definiert werden muss. Es gibt beispielsweise ethische Werte, die Ausdruck für unser Verständnis von Menschsein sind und das Zusammenleben der Menschen regeln. Auch diese Werte existieren nur in Übereinkunft vieler.

Dass es darum gehen könnte, legt aber der Kontext nicht nahe. Der Wert der Menschen in Musks Tweet ist rein wirtschaftlicher Natur. Wie eine Aktie, die bewertet wird oder ein Wirtschaftsgut. Eine Größe, die sich bemisst an ihrem Nutzen oder ihrem Marktwert. Das kann sich jederzeit ändern. Und so könnte es leicht bald wieder heißen, wenn etwa die Technisierung oder Digitalisierung erfolgreich Arbeitsprozesse übernimmt: „Der Mensch ist überbewertet.“

Auch ethische Werte wandeln sich. Das hat mit der Veränderung von Gesellschaften zu tun. Anders aber als eine Größe in einem ökonomischen System wird der ethische Wert von den Betroffenen, also den Menschen selber verhandelt. Die Definition der ethischen Werte ist Bestandteil des menschlichen Selbstverständnisses. Wirtschaftliche Werte gehorchen externen Gesetzmäßigkeiten wie dem Markt oder Arbeitsprozessen. Für sich genommen bedeuten sie nichts und können bis zur Wertlosigkeit führen.

Nun kann man Musk eines zugute halten: Er hat natürlich nicht das deutsche Wort „unterbewertet“ verwendet, sondern das englische: „underrated“.  Doch das macht es nicht besser. Wir alle kennen Rating-Systeme, etwa in Banken bei der Kreditvergabe. Nicht das Vertrauen – das ein ethischer Wert wäre – spielt hier eine Rolle bei der Betrachtung von Menschen, sondern lediglich ein nach Algorithmen errechneter Risikofaktor. Traurige Welt.  Immerhin sind die Rechenexempel, nach denen da gerankt wird, von Menschen erdacht. Und so entwertet der Mensch sich darin selbst. Und braucht dazu nicht einmal Elon Musk.

 

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3 Gedanken zu „„Der Mensch ist unterbewertet““

  1. Hallo erstmal,

    Schöner Text, Ich bin der Meinung das Musk als Visionär der wirklich etwas bewirkt, wahrscheinlich schon eine Traumwelt vor sich hat. In seiner Welt arbeiten Menschen höchstens noch Kreativ und auf gar keinen Fall mehr Körperlich. Auch wenn er zu den Menschen eine, Ich sag mal „eigene“ Einstellung hat, bleibt er ein fantastischer Visionär der (hoffentlich) viel verändern wird.

    MFG

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    1. Ein Visionär ist Musk wirklich. Das ist auch gut so. Solche Menschen hat die Menschheit immer gebraucht. Allerdings benötigt er für die Fertigung seiner Tesla durchaus Menschen für körperliche Arbeit. Die Technisierung/Digitalisierung ist ja offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen.
      Mir war wichtig zu zeigen, dass der Mensch in der ganzen Ökonomisierung Gefahr läuft, zur Sache zu werden, was dazu führen kann, dass die Menschenwürde in Gefahr ist. Das sollten wir meiner Meinung nach nicht zulassen.
      Diese Kritik müssen sich auch Visionäre und Erfinder gefallen lassen.

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