Was hilft, uns trotzdem nahe zu sein?
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Etwas tun

Leben in Zeiten von Corona

Vollbremsung – das ist es wohl, was viele durch den Shutdown aufgrund der Coronapandemie für ihr Leben empfinden. So ging es auch mir. Der Terminkalender ist plötzlich nichts mehr wert. Was da steht, interessiert nicht mehr, war vielleicht gestern wichtig, heute gelten andere Regeln.

Von 100 auf 0 ist für viele existenzbedrohend. Freie Künstler und Musiker sind betroffen, der Einzelhandel – sofern er nicht lebenserhaltende Waren verkauft -, die Gastronomie und Hotellerie.

Und Menschen müssen sich isolieren. Wer wie ich nicht alleine lebt, ist fein raus. Aber all die Menschen, die gerade fast komplett abgesondert von der Gesellschaft sind, weil ihnen vielleicht der Zugang zu modernen Medien fehlt, weil sie keine Familie oder Freunde haben, stehen vor großen persönlichen und psychischen Herausforderungen.

Mir kommt der Ruf nach der Ruhe, die man genießen soll, da ziemlich zynisch vor. Menschen geraten an ihr Existenzminimum, andere sind von sozialer Isolation bedroht – und ich soll mich ruhig auf mein Sofa legen und eine Netflix-Folge nach der anderen schauen? Oder etwas anspruchsvoller: endlich all die Bücher lesen, die ich schon immer lesen wollte?

Klar, man muss sich erstmal sortieren, erstmal sehen, was für ein Leben ist gerade eigentlich noch möglich? Dann kann man aber eigentlich schnell zu dem Schluss kommen, dass viele von uns Möglichkeiten haben, tätig zu werden.

Freundschaft geht gerade nur virtuell
Jeder für sich, aber doch alle verbunden

Um es an der Stelle klarzustellen und um Kommentaren vorzubeugen: Es gibt auch sehr viele Menschen, die derzeit an ihrer absoluten Belastungsgrenze arbeiten. Das weiß ich natürlich, bin dankbar und habe großen Respekt für ihre Leistung, aber darum geht es mir hier gerade nicht.

Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Einnahmen zum größten Teil aus einer Festanstellung und meiner Redaktionsarbeit kommen. Letztere ist natürlich nicht eingestellt und läuft weiter.

Meine Musikarbeit, meine Schreibkurse und ein zeitintensives Schulprojekt ruhen. Da ist Zeit, in der ich sonst Chorproben vorbereitet und geleitet hätte, Zeit, in der ich im Gottesdienst Orgel gespielt hätte, Zeit, in der ich mit Menschen geschrieben hätte, sie an ihre eigene Kreativität herangeführt hätte oder ihnen Schreibtechniken vermittelt hätte.

Diese Arbeit habe ich immer für eine überwiegend künstlerisch-musische gehalten, aber – und das habe ich bereits in dieser Krise gelernt – sie ist in einem viel höheren Maße sozial, als ich gedacht hätte. Was ich vor allem in den Chören tue, bringt Menschen zusammen, verschafft ihnen Zeiträume, in denen sie sich wohlfühlen können, gemeinsam an und für etwas arbeiten. Der Aspekt, sich regelmäßig zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsame Ziele zu verfolgen, ist ein wichtigerer Faktor, als ich vor Corona jemals geglaubt hätte.

Chorgefühl in Zeiten von Corona
Wie ein Schattenchor fühlen wir uns derzeit.

Deshalb kann ich jeden Chorleiter verstehen, der versucht, irgendwie digital mit seinen Sängerinnen und Sängern in Kontakt zu bleiben und sogar online Chorproben aufzulegen, wenigstens in kleinem Format. Und das nicht nur, weil wir dadurch rechtfertigen, weiter Geld zu beziehen, das ist vor allem, weil wir spüren, wie wichtig diese Proben für alle sind. Die Reaktionen meines Gospelchores auf meine fünfminütige Probeneinheit und ein dreistimmig von mir eingesungenes Lied zum Mitsingen zuhause haben mir Tränen in die Augen getrieben.

Es ist wohl etwas dran, dass man sich in der Krise näher kommen kann – sogar beim Social Distancing.

Viel dramatischer finde ich aber, dass Kirchen geschlossen bleiben müssen. Der Zufluchtsort für viele Menschen, wenn sie in Not sind und Zuspruch brauchen! Dabei geht es gar nicht einmal primär um die Gottesdienste. Allein der Kirchenraum ist ja für viele – sogar für nicht unbedingt Gläubige – oft ein Zufluchts- und Andachtsort, gerade in Zeiten von Not und Sorge.

Social Distancing kann zu Vereinsamung führen.
Wir müssen verhindern, dass Senioren vereinsamen.

Wenn ich darüber nachdenke, was in diesen letzten Tagen der Zuspitzung der Krise Priorität für mich bekommen hat, bin ich durchaus etwas überrascht. Ganz schnell war da die Beschäftigung mit der Frage, wie ich daran mitarbeiten kann, Nähe in dieser Situation zu erzeugen . Mir selbst fällt das Distanzhalten unglaublich schwer. Mir fehlt es, Freunde in den Arm nehmen zu können, Menschen die Hand zu schütteln, überhaupt Menschen zu treffen.

Mein Arbeitsort Kirche war plötzlich in meinem Kopf so präsent wie lange nicht. Da ist Orgelspielen ein Job unter vielen. Aber jetzt? Bereits letzten Sonntag, als wir noch eine Andacht unter verstärkten Hygieneauflagen gefeiert haben (statt des geplanten Vorstellungs- und Taufgottesdienstes der Konfirmanden), war unserer Pastorin und mir klar: Da muss etwas passieren.

Wir haben es geschafft, in dieser Woche ein Andachtsformat aufzulegen, das heute online gegangen ist. Die vielen schönen Rückmeldungen zeigen, dass es das Richtige war. Mitgeholfen hat übrigens meine Tochter, deren Ausbildungsbetrieb, ein Hotel in Warnemünde, seine Pforten vorläufig schließen musste. Auch sie ist froh, eine Aufgabe zu haben, die in dieser Zeit sinnvoll ist.

Urlaub ist schön, aber das, was wir haben, ist kein Urlaub. Wir werden weitermachen. Es wird wieder eine Andacht geben. Und eine Chorprobe. Und ich werde nächste Woche allen Sängerinnen meines Seniorensingkreises einen Brief schreiben. Einige von ihnen sind alleinstehend und in dieser Zeit – oft noch ohne die digitalen Möglichkeiten – wirklich allein.

Und ich werde für das Kulturzentrum, bei dem ich ehrenamtlich arbeite und ein Schreibcafé betreibe, einen Schreibwettbewerb auflegen. Darüber könnt Ihr hier sicher bald mehr lesen.

Bis bald und bleibt/werdet gesund und wer kann, sollte darüber nachdenken, wo er/sie tätig werden kann, um die Auswirkungen der Krise zu minimieren.

Ich schreibe, wenn ich etwas zum Schreiben habe
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Wenn man nicht so oft kann – oder will …

Vom Schreiben, Nicht-schreiben und Datenmüll

Bloggen funktioniert nur, wenn man kontinuierlich veröffentlicht, heißt es in einschlägigen Ratgebern. Mehrere Beiträge pro Woche sollten es sein, regelmäßige Sichtbarkeit ist die Basis für den Erfolg. Sonst verlieren die Abonnenten schnell das Interesse, heißt es. Sie brauchen Futter, sonst vergessen sie einen.

Das mag ja alles sein. Aber …
Was ist, wenn ich nicht mehr Zeit habe?
Was ist, wenn ich nicht mehr Themen habe, die es sich lohnt, anderen in Textform darzubieten?
Textmüll gibt es schließlich genug. Womit wird man nicht alles zugespammt? Wie oft klicke ich Texte schnell wieder weg: Nicht relevant – oder noch schlimmer: Falsch in Inhalt und – für mich ebenso furchtbar – Sprache. Ich weiß ja nicht, ob es anderen auch so geht, aber bei mir macht sich oft der Überdruss breit. Alles ist zu viel da. Das gilt insbesondere für das World Wide Web. Beispiel Facebook. Ich habe mehrere Seiten abonnniert, die mich interessieren. Was passiert: Oft genug kann ich das Gleiche auf mehreren Seiten lesen, manchmal genau denselben Artikel, weil einfach nur geteilt wird.
Und wenn ein Thema denn mal im Fokus ist, kann man alles Mögliche und Unmögliche dazu erfahren.

Nicht, dass es immer um Erkenntnisgewinn geht. Es geht oft genung nur um Klicks für die eigene Seite. Keyword in die Headline oder den Teaser und schon wird geklickt. Und was sehe ich dann? Einen vollkommen irrelevanten Beitrag oder eine vollkommen sinnlose Umfrage (manchmal mit dem Hintergedanken, neue Abonnenten zu gewinnen). Führt mich der Klick auf das Keyword zu einem Anmeldeportal, bei dem ich erst meine Daten lassen oder zumindest ein Konto einrichten muss, bin ich gleich wieder weg.

Wie oft sollte man schreiben?

Und dann die schiere Menge: Wie viele Seiten soll ich denn noch im Blick haben? Die Datenmenge ist gleichzeitig völlig unüberschaubar und doch vorhersebar. Denn jeder dieser Accounts zu einem meiner favorisierten Themen festigt meine eigene Filterblase. Das ist durchaus erschreckend. Habe ich Vorlieben, werden diese bedient, klicke ich immer in eine bestimmte Richtung, bekomme ich mehr dazu angeboten.

Gut, dass ich von Berufs wegen in sehr unterschiedliche Richtungen am PC recherchiere und lese! Da kommen immer wieder andere Themen in mein persönliches Profil . So verunsichere ich die Rechenmaschine wenigstens ein bisschen. Zumindest hoffe ich das und das beruhigt mich ein wenig.

Bei all diesen Gedanken und Bedenken schreibe ich auch noch einen eigenen Blog! Natürlich spreche ich damit Menschen an, die sich von meinem Themenangebot angezogen fühlen. Ich schreibe nun mal gerne – wie viele, die in diesem Geschäft unterwegs sind. Aber ich schreibe nur, wenn ich wirklich etwas zu schreiben habe. Einfach nur schreiben, um in Netz präsent zu sein, das ist nicht mein Ding. Und deswegen gibt es bei mir mitunter lange Blog-Pausen. Sicher: meine Klick- und Abonenntenzahlen erhöht das nicht unbedingt. Aber das ist mir egal. Ich freue mich über meine treuen und über meine neuen Leserinnen und Leser.

Es ist schön, dass darunter auch Menschen sind, die mich persönlich kennen aus meinen Kursen oder vielleicht auch als Buchautorin. Denn Bloggen ist etwas, das meine Arbeit als Autorin, Lektorin und Schreibtrainerin nur ergänzt. Gedanken, die sonst keinen Ort finden, einmal formuliert zu werden. Oder Projekte, die keinen anderen Raum finden. Oder Erfahrungen aus meiner Arbeit.

Wenn ich also nicht so oft kann – oder will -, so hat das durchaus auch Kalkül. Ich möchte mit meinen Texten Freude machen – oder auch mal zum Nachdenken anregen. Ich möchte, dass das Lesen Vergnügen macht, weil ich – hoffentlich – ansprechend schreibe.
In diesem Sinne schließe ich den Blogbeitrag mit dem Rat: Lest, was euch gefällt, aber klickt auch mal weg, was euch nicht gefällt.

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Literarisches Terzett

Schreiben ist die eine Sache. Die kann ich und bin relativ gut darin, sie quasi öffentlich zu praktizieren. Doch nun soll es ums Lesen gehen. Natürlich bin ich eine begeisterte Leserin und natürlich hole ich mir für meine Schreibkurse viel Anregung aus Büchern. Und ebenso natürlich begeistere ich andere für das Lesen. Das hier ist aber nun ein etwas anderes Format.

Nun soll also für Publikum gelesen werden – bzw. über das Lesen gesprochen werden. Frei nach den großen Vorbildern, dem Literarischen Quartett, Lesenswert und wie sie alle heißen. Unser Kulturzentrum in Reinstorf bekommt ein Literarisches Terzett. Drei Buch- und Lesebeisterte, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als auf der Bühne zu sitzen und sich über ihre Lieblingsbücher zu unterhalten, wenn es sein muss, ein Plädoyer zu halten. Öffentlich. Mit Publikum.

Das Literarische Terzett Reinstorf startet im One World
Drei Bücher, drei Frauen, drei Meinungen: Das Literarische Terzett Reinstorf geht an den Start.

Na ja, wir sind alle bühnenerfahren. Eine Schauspielerin, eine gestandene Theaterfrau mit Erfahrung hinter, vor und auf der Bühne und meine Wenigkeit: Autorin, Schreibtrainerin, Lektorin. Die Welt des Lesens ist die unsere. Und sie soll die unserer Gäste sein. Die Bücher haben wir ausgewählt. Keine von uns hat sich leichtgetan damit. Was passt? Wie wird es abwechslungsreich? Was ist noch nicht abgedroschen? Und worüber kann ich gut reden?

In der Freizeit lese ich zum Vergnügen

Und tatsächlich kennt keiner die Titel der anderen bisher. Von einem habe ich gehört, es aber noch nicht gelesen. Das ist jetzt die Aufgabe des Sommers: Die Buchvorschläge der beiden anderen durchzuarbeiten. Aber wie macht man das? Wie genau muss ich lesen? Normalerweise lese ich entweder beruflich, also im Lektorat. Das bedeutet, sehr langsam, sehr kritisch, sehr detailorientiert zu lesen – und zu entscheiden, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Privat bin ich Vergnügungsleserin. Ich lege Wert auf gut geschriebene Bücher mit einer gut erzählten Geschichte. Aber ansonsten bin ich offen. Das Buch muss mich fesseln, mich in seine Welt hineinziehen. Wenn das gelingt, ist es ein Lesevergnügen für mich.

Natürlich ist mein Auswahlbuch eines, das nicht nur ich verschlungen habe, sondern das auch mich verschlungen hat. Aber das ist ein Satz. Das reicht nicht auf der Bühne, um den anderen meine Literatur schmackhaft zu machen und zu beweisen, dass es ein fantastisches Buch ist, das man unbedingt lesen sollte. Also heißt es analytisch lesen. Aber nicht als Lektorin. Ich will ja nicht , dass das Buch überarbeitet wird, sondern will seine Qualitäten herausstellen.

Beeindruckende verlorene Dinge
Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste – ein Buch, das mich gefesselt hat.

Worauf also achte ich? – Worum es geht, ist natürlich die erste Frage, die zu klären ist. Die Zuschauer haben ja möglicherweise das Buch nicht gelesen. Also eine Vorstellung des Inhalts, eventuell der Autorin und dann geht es auch schon los mit den Besonderheiten. Für mein Buch (Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste) ist die Idee hinter dem Buch ziemlich wichtig. Und seine Struktur. Es gibt keine zusammenhängende Handlung, sondern nur den roten Faden, die Idee, an der vollkommen voneinander losgelöste Texte hängen.

Kreatives Schreiben als Kunst

Jeder hat eine andere Herangehensweise, eine andere Erzählperspektive. Was Schalansky macht, ist kreatives Schreiben pur – wenn auch natürlich hervorragend recherchiert und vorbereitet: Ein Thema sucht nach einer adäquaten Darstellungsform und die scheint fast komplett assoziativ zu sein. „Mal sehen, was da so entsteht“, scheint sich die Autorin gesagt zu haben. Entstanden ist eine Mischung aus Reisebericht, Fiktion, aus Tagebuch und journalistischer Recherche. Spannend, überraschend, geheimnisvoll und ein bisschen melancholisch.

Die Bücher der beiden anderen werde ich erst anfangen zu lesen. Außer den Klappentexten weiß ich noch nicht viel. Eines ist über Simone de Beauvoir und das andere ist die Geschichte einer Zwangsarbeiterin im Dritten Reich. Lassen wir uns also überraschen. Das wird bestimmt spannend und hoffentlich auch ein bisschen kontrovers. Und vielleicht finden wir ja Gefallen daran – und das Publikum auch – und machen das öfter.

Schreiben im Café kann sehr inspirierend sein.
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Schreiben im Café

Schreiben im Café ist für viele Schriftsteller gar keine so außergewöhnliche Situation. Auch wenn vielleicht nicht der nächste Roman oder ein wohldurchdachter Essay dort entstehen, so ist das Café doch ein Ort der Inspiration. Es ist ein Ort der Privatheit im Öffentlichen. Ich kann anonym bleiben, quasi unsichtbar – vielleicht nur scheinbar – dabei aber andere Menschen in ihrer ebenso gefühlten Privatheit beobachten. Das Café eignet sich besser dafür als ein Restaurant, weil nicht der Verzehr im Vordergrund steht. Ich kann mich stundenlang an einer Tassee Kaffee festhalten, ohne dass es weiter auffällt. Auch das Befüllen eines Notizbuches oder das Tippen auf einem Laptop sind in einem Café kaum größere Aufmerksamkeit wert. Dafür kann ich beobachten, Stimmungen aufnehmen, Situationen erfassen oder einfach die Gedanken greiben lassen. Es fällt auch nicht weiter auf, allein im Café zu sitzen, womit ich in einem Restaurant oder gar einer Kneipe durchaus Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde.

Cafés sind Orte für Notate, Mitschriften, Gedankensplitter – oder auch das ein oder andere Gedicht. Tagebücher wie mein „Daheim und Unterwegs“ lassen sich hervorragend befüllen mit Eindrücken, Zeichnungen, eingeklebten Schnipseln und einem kleinen Situations-Haiku. Beim späteren Durchblättern sorgen sie für genussvolle Momente des Erinnerns an gelebte zwei Stunden voller Intesität, mit wachem Geist oder voller Entspannung, weil nichts entstehen muss, aber alles werden kann.

Ab kommenden Sonntag biete ich regelmäßig ein Schreibcafé im Kulturzentrum ONE WORLD im Alten Gasthaus in Reinstorf an. Das ist natürlich nicht der anonyme Raum eines mehr oder weniger zufälligen Cafébesuchs. Dennoch: Keiner der Teilnehmer dieses offenen Schreibtreffs weiß, wem er begegnet. Die Atmosphäre des historischen Hauses ist inspirierend. Und die zwei Stunden Zeit zum Schreiben, zum Ausprobieren, zum fantasievollen Fabulieren sind ein wunderbarer Schritt aus dem Alltag heraus in eine kreative Auszeit.


Adventskalender aus Faltschachteln
Kreativ, Uncategorized

Advent, Advent – ohne Müll

Faltschachteln als nachhaltiger Adventskalender

Weihnachten ist das Fest des Schenkens. Das beginnt schon im Advent. Was ursprünglich einmal Fastenzeit war und damit der Einkehr und Enthaltsamkeit diente, ist mittlerweile eine Zeit des Genießens, des Schenkens, des Naschens und des Feierns geworden. Natürlich: Wer hätte sie nicht gerne, die Ruhe und Besinnung? Bei sich ankommen, innehalten? Nicht nur, weil Weihnachten ist, sondern auch, weil das Jahresende doch immer wieder zum Nachdenken anregt und manch guten Vorsatz hervorbringt.

Ich gestehe: Ich liebe in der Adventszeit das festliche Treiben, es macht mir Freude, Geschenke auszusuchen, nachmittags Tee und Plätzchen zu genießen und das Haus üppig zu schmücken. Einmal im Jahr soll eben alles anders sein, besonders, festlich. Und das auch gerne schon im Advent. Dazu gehört seit nun 23 Jahren für mich, Adventskalender zu befüllen. Erst für ein Kind, später waren es drei. Das ist bis heute so geblieben.

Schon als die Kinder klein waren, habe ich kleine Täschchen genäht, die früher im Treppenhaus hingen. Mittlerweile sind alle drei ausgezogen und haben die Kalender mitgenommen. Wie sollte denn nun die Füllung dort hineinkommen?

Advents-Schachteln
Recycling-Schachteln

Parallel dazu stellt sich eine andere Frage für uns seit einiger Zeit auch immer mit: Wie geht soetwas ohne viel Müll zu produzieren? Was die Taschen angeht: Die sind ja seit Jahren immer dieselben. Aber die kleinen Päckchen, die nun gepackt werden müssen, damit die Überaschungen im Advent auch genau solche bleiben – was ist mit denen?

Alte Zeitschrift – neuer Inhalt

Schon vor ein paar Jahren bin ich auf die Idee gekommen, aus Magazinseiten kleine Faltschachteln zu basteln. Das hat viele Vorteile. Die Geschenke sind gut verpackt und ich kann sie zur Not auch gut verschicken. Die Kinder sehen nicht, was drin ist und können trotzdem selbst ihre Taschen befüllen. Ich benötige kein Geschenkpapier, das ja eigentlich immer nur Müll ist. Die Schachteln sind ein paar Jahre haltbar – und wenn: alte Zeitschriften hat man ja eigentlich immer übrig.

Viel Material ist für die Faltschachteln nicht nötig.
Zeitschritenpapaier, Cutter, Falzbein und Lineal

Dass wir möglichst auch Dinge hineinfüllen, die nicht in zig Lagen Plastik verpackt sind, versteht sich bei uns von selbst. In einem Jahr haben wir es sogar geschafft, komplett verpackungsfrei einzukaufen. Am besten sind kleine sinnvolle Dinge wie Büroartikel (brauchen Studenten immer) oder Weihnachtsschmuck. Unsere Kinder haben schließlich noch nicht so viel davon und freuen sich darüber. Wenn Süßes, dann offen gekaufte Pralinen aus dem Schokoladenladen, die zum Schutz nur in Butterbrotpapier gewickelt werden, ehe sie in die Schachteln kommen.

Dieses Jahr musste ich ein paar Schachteln nachproduzieren, da doch ein paar durch die Transporte gelitten haben. Deshalb hier nun eine kleine Anleitung für einen wirklich einfachen und besonderen Adventskalender aus Faltschachteln:

Anleitung

  1. Für das Unterteil der Schachtel benötigt man ein quadratisches Stück Papier (außer Zeitschriftenblättern kann das auch ganz normales Papier sein). Das lässt sich am besten mit einem Cutter und einem Metalllineal auf einer Schneidematte ausschneiden. Die Blätter der Musterschachteln haben 14,8 cm Seitenlänge, so konnte ich zwei aus einer Seite schneiden. die Maße der Schachteln: ca. 5,2 x 5,2 x 3 cm (mit Deckel). Man kann auch quadratische Papiere in etwa der Größe kaufen.
  2. Knicke das Papier zweimal diagonal und falte das Blatt wieder auf. Im Schnittpunkt der beiden Diagonalen hast du einen markierten Mittelpunkt gewonnen.
  3. Knicke alle vier Ecken mit der Spitze bis zum Mittelpunkt, so dass ein kleineres Quadrat vor dir liegt.
Die Faltschachtel ist einfach in der Herstellung
Mit ein paar Knicken ist es getan.

4. Falte alle geraden Seiten nun einmal bis zur Mitte, glätte die Kanten und stelle die so entsandenen  Seitenteile hoch.

5. Öffne nun zwei gegenüberliegende Seiten komplett und knicke die beiden anderen noch einmal zur Mitte. Hier entstehen bereits die ersten beiden Seitenteile.

Schnelle Schachteln - individuelle Adventskalender
Fast fertig gefaltet …

6. Die Laschen werden nun ebenfalls so nach oben geknickt, dass um den Mittelpunkt ein Quadrat aus vier kleinen Quadratsegmenten entsteht – der Boden.

7. Bei den Quadratsegmenten an den Ecken (außen) des Bodenquadrats muss nun das Papier vorsichtig nach innen gewölbt und zum Dreieck geknickt werden. Diese Ecken werden nun so gelegt, dass sie anschließend unter der Papierlasche in der Seitenwand verschwinden, wenn wir sie nach innen darüber klappen.

8. Sind beide Laschen umgeklappt, ist das Unterteil bereits fertig. Die Kanten können noch mit einem Falzbein geglättet werden. Wer möchte, kann die offenliegenden Dreiecke im Boden mit etwas Kleber fixieren oder ein passend geschnittenes Blatt als Boden einlegen.

9. Der Deckel funktioniert im Prinzip genauso. Einziger Unterschied: Da er eine größere Grundfläche braucht, knicken wir die geraden Seiten (Punkt 4) nicht ganz bis zur Mitte, sondern lassen ca. 2 mm stehen. Das funktioniert für das Zeitschriftenpapier auch freihand. Wer es genau haben möchte, kann natürlich auch alles nachmessen.

Auch Schrift sieht dekorativ aus
Faltschachteln aus einer Weihnachtsausgabe der Landlust

Besonders stimmungsvoll sind Bilder mit Weihnachtsbezug. Auf der fertigen Schachtel sieht man nur Details und durch die Knicke der Seiten interessante Bildkompositionen. So machen sie nicht nur garantiert neugierig, sondern sind auch kleine Hingucker. Sogar Textteile sehen gut aus, da die Motive diagonal auf der Schachtel liegen und durch die Knicke Brechungen entstehen.

Als Tipp für die Auswahl der Ansicht: Man sieht am Ende das Motivdetail am besten, das sich genau in der Mitte des quadratischen Papiers befindet. Am besten sichtbar ist natürlich die Deckel-Oberseite.

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Die Tagebuchrezepte sind da!

Was lange währt …

Noch auf der Palette
Frisch geliefert

Wer kennt das nicht: Da wartet man Ewigkeiten, hofft, dass etwas endlich eintritt, die Zeit scheint zu schleichen, nichts geht voran. Und dann ist es plötzlich so weit. Plötzlich? Ja, genau das. Es ist wie Weihnachten. Man weiß genau, wie lange es noch hin ist und was man alles erledigen möchte oder muss. Und dann steht es vor der Tür und man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist.

Nun habe ich nicht auf Weihnachten gewartet, sondern auf die Veröffentlichung unserer Tagebuchrezepte. Am 1.12.18 ist es offiziell soweit, zum offenen Atelier bei Kalligrafiekünstlerin Birgit Nass aus unserem Autorenteam soll es präsentiert werden – und hoffentlich zahlreich verkauft. Unglaublich. Wie lange haben wir daran gearbeitet, wie oft mussten wir zwangsweise pausieren, manchmal waren wir müde,  aber dann gab es doch wieder unglaublich viel Schub und Energie.

Und dann war es soweit: Alle Fotos waren gemacht, alle Texte waren geschrieben. Die Korrektorin hat ganze Arbeit geleistet. Sogar die Autorinnenfotos haben wir kurz vor knapp noch hingekriegt. Ein letztes Durchsehen. Hilfe, da stimmt eine Formatierung nicht! Aber dann … ab in die Druckerei.

Das Inhaltsverzeichnis

Wie lange wir wirklich daran gearbeitet haben, kann ich auf Anhieb gar nicht mehr sagen. Eine ganze Weile. Immer wieder mussten wir Zwangspausen einlegen, da das Schreiben eines Buches eben noch kein Geld einbringt und oft andere Dinge den Vorrang hatten. Aber wir haben weitergemacht und sind ganz schön stolz auf unserer Baby.

Ein Vorteil der langen Arbeitsphasen ist, dass man immer wieder überarbeitet, feilt, glättet, da ja jedes Mal Abstand zur eigenen Arbeit entsteht. Andererseits war es manchmal auch schwierig, den Faden wieder aufzunehmen. Aber letztendlich ist es immer wieder geglückt. Wir haben acht wunderbare, zum Teil ungewöhnliche Tagebücher entwickelt. In Rezepten gibt es Anleitungen zum Binden verschiedener Buchformen, zu verschiedenen Schreibstilen und Textformen und zu Schrift- und Layoutgestaltung.

Kurse soll es auch geben

Das Genusstagebuch ist fertig fürs Buchfoto: Tagebuchrezepte
Rückblick: Arbeit am Genusstagebuch.

Doch kaum war das Buch in der Endphase, mussten  natürlich viele andere Dinge bedacht werden: Die ganze administrative Abwicklung bis hin zu den Finanzfragen und der Buchhaltung. Nicht zu vergessen: Werbung. Das Buch soll schließlich auch an den Mann bzw. die Frau. Außerdem planen wir, begleitende Kurse anzubieten, die natürlich nicht eins zu eins Inhalte aus dem Buch umsetzen. Hier müssen Räume und Termine gefunden werden. Es bleibt also spannend. Nicht zuletzt gibt es nun auch eine neue Internetseite für unsere Edition Elbfluss, in der bereits ein Gedichtband erschienen ist.

Die Kaffeepause ist Gold wert.
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Selbst und ständig oder frei?

Als freiberuflich arbeitende Lektorin (und Autorin und Musikerin) habe ich so meine Erfahrungen mit der Selbständigkeit gemacht. Dass Selbständigkeit bedeutet „selbst und ständig“ zu arbeiten, ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen. Immer gibt es etwas zu tun. Ich muss Termine einhalten, ich muss mich um die Werbung kümmern, ich muss einen kleinen Auftrag einschieben, ich muss mich um die Internetpräsenz kümmern, den Datenschutz, schnell noch eine paar E-Mails beantworten und einen Kunden, der Fragen hat mal schnell noch am Wochenende zufriedenstellen.

Muss ich?
Natürlich muss ich Vieles tun. Während ich in einer angestellten Tätigkeit eine Jobbeschreibung habe, die vor allem meine Kernkompetenzen umfasst – dafür bin ich schließlich eingestellt worden – bedeutet Selbständigkeit, auch die Dinge zu tun, die in einem Unternehmen vielleicht einem Kollegen zufallen. Ich muss mich als Selbständige von A bis Z um alles kümmern, von der Steuer bis zur Werbeanzeige, von Akquise bis zur Rechnungsstellung.

Das ist oft eine ziemliche Herausforderung, denn ich bin nicht in allem gleich gut. Richtig gut bin ich natürlich in meinem Fach, dem Lektorat und dem Schreiben. Schwerer fällt mir die Kundenakquise. Und die Buchhaltung gehört auch nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, während alles Kreative mir viel Spaß macht.

Dennoch empfinde ich es als Bereicherung für mein Leben, all diese Dinge machen zu dürfen. Ich habe Verantwortung von Anfang bis Ende meines Arbeitsprozesses. Ich arbeite nicht nur zu, sondern suche mir die Projekte aus, betreue die Kunden, und sehe am Ende das Geld auf meinem Konto. Eine lückenlose Wertschöpfungskette in voller Verantwortung. Vielleicht muss man das mögen – mir gefällt’s. Das heißt manchmal auch Arbeit zu ungewöhnlichen Zeiten, außerhalb der Geschäftszeiten ansprechbar zu sein, aber das ist selbstgewählt.

Die Freiheit, nein zu sagen

Auch wenn Vieles muss, so habe ich doch meine Freiheiten: Ich kann meine Projekte selber planen und mich kreativ ausleben. Ich kann meine berufliche Ausrichtung steuern, ändern, gewichten. Ich kann zu einem Autor auch mal „nein“ sagen, weil er mir nicht zusagt. Ich muss einen Auftrag nicht annehmen und ich bestimme – in gewissen Grenzen – selbst die Zeit, die ich dafür einplane.

Ich gebe zu: Es ist nicht ganz leicht, aber ich habe gelernt, zumindest hin und wieder nein zu sagen. „Können wir Samstag telefonieren?“, beantworte ich schlicht und ergreifend mit „nein“, auch wenn mein Terminkalender weiß wie Schnee ist. Ich habe nämlich beschlossen, dass samstags Familientag ist. Das gilt auch für andere Zeiten, die mir heilig sind. Warum soll ich immer können? Niemand hat die Hoheit über meinen Kalender außer mir.

Mittlerweile koordiniere ich meine Zeiten mit denen meines Mannes. Wir planen gemeinsame freie Zeit ein, aber wenn er einen dringenden Termin hat, dann überlege ich, zu der Zeit auch zu arbeiten, sogar wenn es am Abend oder am Wochenende ist. Das verschafft uns gemeinsame Freizeit.

Freizeit einplanen

Früher war gemeinsame Freizeit ein echtes Problem. Ich hatte viele Abendtermine. Das hat zu Unzufriedenheit und Spannungen geführt. Als uns das klar wurde, habe ich meine Arbeit umstrukturiert (das war bei mir gut möglich, bei ihm – er ist Lehrer –  nicht so gut). Das hat uns als Paar, damals auch noch als Familie mit Kindern zuhause, deutlich entspannt. Wir konnten abends gemeinsam essen, reden, ich musste nicht gleich wieder los. Dafür ist an die Stelle gemeinsame Aktivität getreten. Das genießen wir sehr.

Das ist alles natürlich nicht immer leicht. Im Moment bin ich auch wieder in einer Phase, in der ich pausenlos arbeiten könnte. Merke ich, dass es mal wieder reicht und ich dringend eine Pause brauche, dann mache ich den PC komplett aus und schließe die Tür zu meinem Arbeitszimmer.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch, nicht das Smartphone stattdessen zu bemühen und doch schnell noch E-Mails zu lesen oder die Kollegengruppe auf Facebook zu besuchen. Manchmal bin ich in solch einem Strudel. Dann hilft es nur noch, das Handy komplett aus dem Wohnzimmer zu verbannen. Es geht. Und es fühlt sich sogar gut an und befreit. Im Sommer aber, da ist es gar nicht so schwer: Da gehe ich in den Garten und vergesse die Zeit – und die Arbeit.