Welche Informationen sollen auf das Buchcover?
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Das perfekte Buchcover

Wonach entscheiden wir eigentlich, welches Buch wir im Laden in die Hand nehmen oder per Klick auswählen? Was gibt den Ausschlag dafür, dass irgendentwas überhaupt unser Interesse weckt? Wie kommt es, dass wir uns für das eine entscheiden und das andere nicht einmal in Erwägung ziehen?

Alle diese Fragen treiben mich gerade um. Aktuell befinden sich meine beiden Buchprojekte in der Phase „fast fertig“. Das bedeutet, dass allerlei Dinge in das Autorenleben treten, die mit dem Schreiben so gar nichts mehr zu tun haben – zumindest wenn all das in Eigenregie erfolgt, also im Selfpublishing:

Wo soll veröffentlicht werden? Wie hoch soll die Auflage sein? Welches Format soll es werden? Und natürlich: Wie soll das Cover aussehen?

Kein Verkauf ohne Bild

Meine beiden Bücher könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine ist ein Kreativ-Buch mit Anleitungen zum Tagebuchschreiben und -gestalten (Tagebuchrezepte), ist also eher im Bereich Sachbuch, DIY (Do It Yourself), anzusiedeln. Das andere ist ein Roman, der die Geschichte einer Frau (Marta) anhand ihrer Begegnungen mit anderen Menschen in Episoden erzählt und damit die Frage nach den Zufälligkeiten im Leben stellt.

Was beide Bücher verbindet, ist die die Tatsache, dass sie einen Umschlag benötigen und damit ein Umschlagdesign. Irgendwie muss es schließlich aussehen, das Buch, sogar als E-Book, als das der Roman auch erscheinen soll. Ohne Bild verkauft sich kein Buch, zumindest nicht abseits von wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Wie komme ich zum Bild?

Vor jeder Veröffentlichung stellt sich die Frage nach dem besten Coverbild.
Welches Cover?

Was für Kriterien sind anzulegen, nach denen ein Umschlag zu gestalten ist? Was hilft dir auf dem Weg zum Coverdesign?

Hier ein paar Punkte, die du auf jeden Fall in deine Coverplanung einbeziehen solltest:

  • Was für ein Buch ist es?
    Roman? Sachbuch? Kinderbuch? Ratgeber? Thriller?
    Mit einer Klassifizierung legst du auf jeden Fall schon mal einen gewissen Stil fest. Und auch wenn du es vielleicht nicht gerne magst: Vor allem die Verkäufe über das Internet benötigen eine Einordnung.
  • Worum geht es in deinem Buch?
    Bringe den Inhalt auf den Punkt. Nicht schlecht ist es, wenn der Covertext schon steht. Das kann ein guter Anhaltspunkt sein. Auch der Titel ist natürlich ein guter Hinweis.
  • Symbolbilder und klare Bildaussagen
    Welches Bild steht symbolhaft für eine Kernaussage deines Buches? Womit erzählst du etwas von der Geschichte, gibst die Stimmung wieder oder machst Lust darauf, das Buch aufzublättern? Ein treffendes Motiv, das all das vereint, ist viel wert.
    Aber überfrachte dein Cover nicht mit zu vielen Informationen. Es kann helfen, dich auf ein Schlagwort, das dein Buch beschreibt, zu beschränken und hierfür ein treffendes Bild oder Symbol zu finden. Bei unserem Roman war dieser Begriff „Begegnungen“. Am  Ende standen drei Vorschläge dazu im Raum, die unsere Grafikerin für uns als Entwürfe umgesetzt hat. Nun sind wir in der komfortablen (oder auch schwierigen 😉 ) Lage, aus drei professionellen Covern wählen zu können, die alle durchaus ihre Vorzüge haben.
  • Wie sieht die Zielgruppe aus?
    Beim Schreiben mag man sich ja noch vorstellen, ein universelles, für jeden interessantes Buch zu verfassen. Oder man kümmert sich einfach nicht darum, wer es einmal lesen wird. Nun aber geht es in die Verkaufsplanung und da ist es durchaus relevant, wer das Buch kaufen wird. Analysiere also deine Zielgruppe. In unseren Tagebuch-Anleitungen sprechen wir zunächst einmal Tagebuchschreiber an. Dann aber auch Menschen, die grundsätzlich gerne kreativ schreiben. Darüber hinaus richtet sich unser Buch an die große Gruppe all derer, die gerne kreativ werden, die mit Papier oder anderen Materialien gestalten wollen, Interesse am Binden eigener Bücher haben und auch noch ein bisschen etwas über schöne Schrift erfahren wollen. Ist das einmal eingegrenzt, sollte man gut überlegen, wovon die Zielgruppe sich angesprochen fühlen wird. Dabei hilft es, sich am Markt umzusehen. Deshalb:
  • Beobachte den Markt
    Mit dem Eintritt in die reale Welt muss dein Buch sich gegen viele andere behaupten. Da ist es gut zu wissen, was denn sonst noch so da passiert. Für unser Tagebuch haben wir also einfach mal geschaut, welche ähnlichen Veröffentlichungen am Markt sind und wie sie aussehen. In der Regel kann man ziemlich schnell sagen, was einem selbst gefällt und was nicht. Auf jeden Fall bekommst du ein Gespür dafür, was gerade so angesagt ist.
  • Kreativ aufgreifen, nicht kopieren
    Natürlich ist Kopieren nicht das Mittel der Wahl. Fällst du allerdinges mit deinem Buchdesign komplett aus dem aktuellen Stil heraus, kann es auch schwierig werden – nur in den seltensten Fällen entsteht daraus ein neuer Trend. Leser könnten es eher als „nicht zeitgemäß“ wahrnehmen. Schau dir stattdessen typische Gestaltungselemente an und überlege, welche du für deine Zwecke umwandeln kannst. Noch besser: Sag deiner Grafikerin, was dir gefällt und was nicht. Sie wird die Elemente individuell umsetzen können.
  • Arbeite mit Profis
    Die Wirkung von Bildern – und damit auch von Buchcovern – ist nur auf den ersten Blick eine reine Geschmacksfrage. Wie wir etwas wahrnehmen, was wir für ansprechend und wertig halten – und vor allem, warum das so ist, können wir bewusst oft gar nicht steuern. Da ist es gut, wenn sich jemand mit den Wirkmechanismen auskennt und die Hebel bedienen kann, um die von dir beabsichtigte  Aussageabsicht umzusetzen.

Auf dem Weg zum fertigen Buch bist du nun schon ein ganzes Stück weiter. Bleibt allerdings noch die Frage nach dem perfekten Titel. Aber die beantworte ich ein anderes Mal.
Viele weiterführende Tipps zum Thema Veröffentlichen findest du übrigens in der Self-Publisher-Bibel.

 

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Schmetterling – komm heim

Kom hem – heimkommen, genauso fühlt es sich für mich an, wenn man dem Duo Fjarill lauscht. Fjarill heißt Schmetterling auf Schwedisch. Ein wenig sehen Aino und Hanmari so aus, vor allem aber klingt ihre Musik wie ein Schmetterling, der mit Leichtigkeit von Blüte zu Blüte fliegt, wenn sich die Stimmen, das Klavier und die Violine begegnen, sich vereinen und wieder trennen, eine Weile nebeneinander im Raum schweben und dann erneut getrennte Wege gehen.

Ihre Zuhörer ziehen sie damit in ihren Bann, vom ersten Ton an. Selten war ein Raum schöner von Klang erfüllt. Viele Augen schlossen sich, um einfach nur zuzuhören, um sich ganz fallen zu lassen in ein perfektes Hier und Jetzt. Da war kein Nachdenken, keine Ablenkung, da war einfach nur Dasein im Moment der Musik.

Fjarill treten im OneWorld-Kulturzentrum in Reinstorf auf
Fjarill – Kom Hem im OneWorld-Kulturzentrum Reinstorf

Schwedisch und gelegentlich Africaans singen die beiden Frauen, die bereits seit 15 Jahren gemeinsam musizieren, das sind ihre Wurzeln. Aino kommt aus Schweden, Hanmari aus Südafrika. Müsste man unbedingt eine Schublade aufmachen, wäre es am ehesten skandinavischer Folk, der bedient wird. Aber die Musik von Fjarill ist viel mehr.  Sie ist persönlich ohnegleichen, als würde Aino – die meist den Leadgesang übernimmt – in ihrer ureigenen Sprache mit dem Publikum kommunizieren. Und Hanmari mit ihrer Geige und ist ein Teil dieser Sprache,  in der beide Musikerinnen zusammenfinden zu einem einzigen Gesang.

Dabei ist es unwichtig, dass die Zuhörer mit Ausnahme der wenigen Sprachkundigen, den Text nicht verstehen. Ainos Erklärungen in den Zwischenmoderationen sind knapp gehalten. Das macht nichts, es kommt nicht darauf an. Es ist, als würde ich einer Sprache lauschen, die ich intuitiv verstehe und die alle um mich herum mit mir verstehen, so dass eine Verbindung jenseits aller Worte zwischen den Menschen herrscht. Für die Momente der Musik.

Aino und Hanmari erreichen damit auf unvergleichliche Art und Weise genau das, was das OneWorld-Kulturzentrum in Reinstorf  bei Lüneburg  – Fjarills Bühne am 9.6.18 – sein will: Ein Ort der Begegnung von Menschen und Kulturen, ein Ort der Verständigung – auch ohne Worte -, ein Ort, an den man gehen kann und jenseits von Sprache und Herkunft findet, was uns alle verbindet. Das ist doch ein wenig wie heimkommen, oder?  Danke Fjarill.

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Experiment Gruppenroman

Es ist etwa drei Jahre her, dass Marta auf die Welt kam, drei Jahre, dass sie mein Leben begleitet und das von Annette, Friedhelm, Ines und Mandy. Wir haben Marta gehegt und gepflegt, waren uns manchmal nicht ganz einig, wie es mit ihr weitergehen soll, haben uns aber immer wieder zusammengerauft für unser Baby. Und nun ist  Marta kurz davor, flügge zu werden, reif für die Welt.

Marta ist natürlich nicht drei Jahre alt, sondern ist in diesem Jahr 53 geworden, am 2. Mai. – Also wäre sie, wenn sie nicht fiktiv wäre und ihre Existenz allein unserer Phantasie verdankte und unserem Romanexperiment.

Begonnen hat es mit einem Namen auf einer Tafel: Marta. Dann ein Geburtstag, ein Nachname, eine Familie, der Beruf und natürlich, fein säuberlich auf einer Timeline festgehalten: ihre Begegnungen. Marta ist in ihrem Leben vielen Menschen begegnet. Die erzählen ihre Geschichte. So die anfängliche Theorie, die sich mittlerweile zur Realität mit einer erklecklichen Anzahl Seiten gemausert hat.  Meine Anfangshypothese, das es möglich ist, mit Schreiblaien einen ganzen Roman hinzukriegen kann als bestätigt gelten: Der Roman ist so gut wie fertig. Quod erat demonstrandum.

Erst lesen, dann schreiben 🙂

Wie verbindet man aber so unterschiedliche und dazu noch unerfahrene Autoren zu einem Ganzen? Das Geheimnis ist die Form. Der Roman war von Anfang an als Episodenroman geplant. Das Vorbild: Eva Menasse mit ihrem Roman „Quasikristalle“ (Kiepenheuer und Witsch), in dem die Protagonistin Xane zwar der rote Faden durch das Buch, aber eigentlich immer nur Teil der Geschichte eines ganz anderen Menschen ist. Dadurch ändert sich permanent die Perspektive auf sie, das Bild, das dabei gezeichnet wird, zeigt nur einzelne Facetten, aber dennoch begleiten wir Xane so durch Stationen ihres Lebens.

Ebenso sind wir auch mit Marta verfahren. Es gab am Anfang eine grobe Vorstellung davon, wie ihr Leben als Protagonistin durch unser Buch verlaufen könnte. An diese Biografie haben die einzelnen Autoren ihre Episoden angedockt. Dort entwickeln sich Geschichten von Menschen, denen Marta auf die ein oder andere Weise begegnet und die so einzelne Schlaglichter auf Martas Leben werfen.

Es hat ungeheuer viel Spaß gemacht, die Geschichten zu entwickeln. Es war manchmal ungeheuer mühsam, wenn wir um Worte gerungen haben. Und es war beglückend, wenn eine Episode stand und alle wussten: So muss es!

Das große Ganze im Blick

Ich bewundere zudem die Kritikfähigkeit meiner Mitstreiter, schätze ihr Vertrauen in mich als Lektorin und Schreibcoach und bin dankbar für ihre Bereitschaft, meinen Kommentaren und Einwänden zuzuhören und meine Vorschläge anzunehmen. Überhaupt: im Laufe der Zeit hat sich ein ziemlich kompetentes Team herausgebildet, in dem alle gelernt haben, genau hinzuhören, die Textteile miteinander abzugleichen und sowohl das große Ganze als auch die Dramaturgie des einzelnen Kapitels im Auge zu haben.

Wir sind noch nicht ganz am Ende. Lektorat und Schlussredaktion fehlen noch. Ein Cover von Grafikdesignerin Jasna Wittmann ist gerade im Entstehen. Und dann kommt natürlich die Frage: Wo im großen Selfpublishing-Universum fühlen wir uns wohl für einen Start in die Welt des gedruckten Buches? Das muss noch entschieden werden. Aber eins ist klar: Wir wünschen Marta, unserem Romanexperiment, nur das Beste auf ihrem Weg und drücken die Daumen für viele Leser, die sich unterhalten fühlen, eintauchen in Martas Welt und am Ende seufzen, weil es schade ist, dass das Buch schon zu Ende ist.

 

 

 

Uncategorized, Unterwegs

Toskana, Sehnsuchtsort

Italien ist mein Sehnsuchtsort. Ein paar Mal war ich dort. Das erste Mal schon als kleines Kind. Wahrscheinlich hat mich das gleich infiziert. Um ehrlich zu sein: So richtig kennengelernt habe ich bisher nur die Toskana. Die aber gefällt mir ausgesprochen gut. Es gibt wohl kaum eine Region, die eine solche Kulturdichte zu bieten hat und das in einer Landschaft, deren Schönheit nur schwer zu überbieten ist. Grund genug, eine Einladung auszusprechen, eine der schönsten Gegenden dieser Welt kennenzulernen – auf meine Art:

Michelangelo, Medici und die Renaissance

Verabschiede dich zunächst vom Gedanken, dass sich ein Urlaub in Italien nur gelohnt hat, wenn du möglichst viele kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigt hast. Nehmen wir z.B. die Toskana: Eine Region in Mittelitalien, die niemand wieder verlässt, ohne nicht mindestens Florenz, Pisa und Lucca inklusive ihrer kühlen Kirchen, ihrer außen schlichten und innen so prunkvollen Paläste und ihrer reichlich gefüllten Museen besucht zu haben. Keine Frage: Das sind alles beeindruckende Zeugnisse von Italiens großer Kulturgeschichte, in der etwa Michelangelo oder Da Vinci die Toskana zum Zentrum der Renaissance gemacht haben. Verschwiegen werden sollen auch nicht die mächtigen und äußerst kunstsinnigen Medici, aber auch all die anderen großen Geschlechter, die überall ihre Spuren hinterlassen haben – vor allem in den Geschlechtertürmen, die in fast jedem noch so kleinen Ort weithin sichtbar hoch aufragen und von der einstigen Macht ihrer Erbauer erzählen. Natürlich: All das muss man irgendwann gesehen haben in der Toskana.

San Gimignano
Geschlechtertürme in San Gimignano

Aber dann plane mindestens eine Woche ein, in der du keinen Ort betrittst, der mehr als 500 Einwohner hat. Erst dann wirst du das wahre Italien erleben und erkennen, was die Toskana so einzigartig macht.

Käse und Wein zum Sonnenuntergang

Gönne dir diese Tage für die Erhabenheit der Zypressenalleen, die Üppigkeit der Sonnenblumenfelder und die Kargheit der Olivenhaine. Schon seit der Etruskerzeit ist die Toskana eine durch den Menschen geformte, einzigartige Kulturlandschaft, sie wurde bepflanzt, befestigt, bewässert und auf diese Weise verändert zu einem einzigen großen Landschaftsgarten.

Reife Zitrone in der Toskana
Sogar die Zitronen machen hier Appetit.

Wandere durch die Landschaft oder steig zumindest aus am Wegrand und atme die harzige Luft unter den Pinien. Wenn du Glück hast, sind die Zapfen gerade reif und du kannst ein paar der schmackhaften Kerne ernten. Fahre ins Chianti und verkoste in einer Fattoria unter alten Eichen die kräftigen Weine, die nirgends so gut schmecken, wie dort an dem Ort, wo sie gedeihen und wo sie gekeltert wurden. Am Abend lass dich in einem Ristorante verwöhnen mit Pasta, Wildschwein und Trüffel.

Das macht Appetit
Oliven, Käse, Schinken in einer Ladenauslage

Dein Urlaub in Italien soll auch Meer bieten? Bitteschön: Die Mittelmeerküste im Westen der Toskana  ist wie gemacht für einen Sundowner am Strand. Genehmige dir dazu ein paar der ebenso einfachen wie schmackhaften toskanischen Antipasti – viel perfekter kann ein Abend nicht sein.

Sonnenuntergang in Viareggio
Sonnenuntergang in Viareggio

Und wenn du dann noch abwartest, bis es dunkel ist und über dir der Sternenhimmel seine funkelnde Unendlichkeit ausbreitet, weißt du, dass du im Paradies bist . Schenk dir jetzt ein Glas Rotwein ein, nimm dazu etwas Pecorino, Olivenöl und Brot und genieße diesen Augenblick!

 

Sogar einige Polster sind noch Original in Siegfried Böttchers Cadillac von 1941.
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Vier Oldies mit Charakter und Rhythmus im Blut

Wer sagt eigentlich, dass das wahre Leben nur in der Stadt tobt? Dass es nur dort coole Typen, coole Clubs und coole Autos gibt?
Zumindest am 12. Mai ist in Reinstorf in der Nähe von Lüneburg alles zusammengkommen. Und das bestimmt nicht zum letzten Mal.
Das OneWorld in Reinstorf ist, um es mal salopp auszudrücken, eine Kulturkneipe im besten Wortsinn. Seit ein paar Monaten gibt es hier mindestens einmal in der Woche Live-Musik zuhören. Vieles mehr, wie etwa Ausstellungen und Tanzveranstaltungen, gibt es ebenfalls schon oder sind noch geplant. Abgesehen davon ist OneWorld ein Verein, der aktiv die Integration von Geflüchteten fördert.

Jens Thomsen von OneWorld hat einen guten Riecher für Künstler. Vor ein paar Wochen habe ich die Singer-Songwriterin Jamica Blackett, ehemalige Voice-Kids-Teilnehmerin, mit eigenen und Coversongs gehört. Die junge Künstlerin hat mich mit ihrer Unbefangenheit und Präsenz sofort in ihren Bann gezogen. Das macht definitiv neugierig  auf ihren weiteren musikalischen Weg.

Und nun gab es The Bleck Cadillac Three mit Bluesrock.  Die gestandenen Herren sind erfahrende Musiker, wenn auch in dieser Konstellation noch ziemlich jung. Eben Oldies vom Feinsten, mit einer gewissen Lässigkeit und Ironie. Ihre Beats rissen mit, wenn auch zunächst nur verhalten die Köpfe der Zuschauer rhythmisch nickten oder Finger trommelten. Später hielt es dann doch einige Gäste nicht mehr auf ihren Plätzen und so füllte sich gegen Ende die Tanzfläche immer mehr.

Auch bei den ruhigeren Blues ging die Melancholie der Musik spürbar auf das Publikum über. Echt und persönlich kamen die durchweg individuell interpretierten Stücke rüber. Es fiel mir nicht schwer mir vorzustellen, in der flirrenden Südstaatensonne auf der Treppe einer Holzbaracke zu sitzen und mit Blick auf die Baumwollplantage dem Mann mit der Gitarre zu lauschen, wie er singt von seiner Liebe und seinen Sehnsüchten – zwischenzeitlich mit ziemlich wilden Riffs à la Jimi Hendrix. Ich träume weiter: Fährt dahinten durch die Allee nicht der Plantagenbesitzer in seinem Cadillac?

Der Oldtimer stammt aus dem Jahr 1941 und ist einem fantastischen Zustand.
Der Cadillac von 1941 vor One World in Reinstorf

Ach, wir sind ja in Reinstorf!
Der Cadillac aber ist echt und der Hingucker des Abends. Zumindest in der Pause. Siegfried Böttcher zeigt mir seinen Wagen ausführlich und erzählt von seiner Liebe zu alten Autos. Der chromblitzende Oldtimer aus dem Jahr 1941 ist in einem fantastischen Zustand, sogar noch Teile des Polsters. Ich vermute, dass da mehr Pflege drinsteckt, als der Besitzer zugeben mag. Beeindruckend finde ich das Bordtelefon. In einem Oldtimer? Ja – wenn ich mich richtig erinnere, 1954 nachgerüstet. Wer Geld hatte, konnte sich damals eben auch schon die neueste Technik leisten. Das Bild mit dem Plantagenbesitzter war vielleicht gar nicht so falsch.
Aber mitfahren, das würde ich schon gerne einmal und rausfinden, ob er soviel Rhythmus im Blut hat wie die Jungs, die ihn in ihrem Bandnamen verewigt haben.

Die Bleck Cadillac Three durften das vermutlich schon testen. Ihnen hat Siegfried Böttcher seinen Wagen nämlich für ihr Bandfoto zur Verfügung gestellt.
Ich tröste mich: Mir bleibt ja immer noch meine Phantasie. Also schließe ich die Augen und schon bin ich da: auf dem Highway irgendwo zwischen New Orleans und Chicago. Und dabei spielen The Bleck Cadillac Three A Spoonful of Bluesrock …

 

*Ich bedanke mich bei Siegfried Böttcher für die Ausführungen zu seinem Wagen und für die Genehmigung, die Fotos hier veröffentlichen zu dürfen.

 

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Plastik bei Mann, Sieber!

Da man sich gar nicht oft genug damit beschäftigen kann … Und absolut sehenswert. Also schaut auf jeden Fall mal rein in die Sendung.

plasticgeneration

In der Late Night Satire Show „Mann, Sieber!“ vom 15.05.2018 gab es einen Beitrag zum Thema Plastik und Verschwendung. Ab Minute 9:45 kann man sich in der ZDF Mediathek den Beitrag anschauen (Mann, Sieber!, 15.05.2018).

Dort wird gut zusammengefasst, was ich schon häufiger auf verschiedenen Seiten auf Facebook gelesen habe.

Ab Minute 15 (bis Minute 23)geht es um die Erüberlastung, es lohnt sich also auch, das noch zu schauen 😉

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Große Zukunft für kleine Stadt

Es gibt Orte, die sucht man sich nicht aus, sondern landet dort. Zufällig, weil man zum Beispiel ein Seminar besucht, etwa in der Bundesakademie in Wolfenbüttel. Wolfenbüttel? Nie gehört? – Und wenn schon! Das Stadtmarketing nimmt’s offenbar „lessig“, wie eine Broschüre verheißt, die ich in die Finger bekomme.

„Lessig“? – Nicht mal richtig schreiben können die hier, denke ich, als mir dämmert, dass das was mit Gotthold Ephraim Lessing zu tun hat. Typischer Fall von Selbstüberschätzung! Hier hat halt mal ein Dichter gelebt, der selbst Deutschlehrern nicht mehr sofort einfällt, wenn sie große deutsche Literaten aufzählen sollen.

Ich wandere durch die Stadt und staune: Hier werden nicht nur versunkene Schriftsteller am Leben gehalten, man scheint auch bereit zu sein, das Erbe einer versinkenden Kulturmetropole anzutreten. „Klein Venedig“, so lese ich in der Stadt, die zweifelsohne etwas Wasser zwischen Häusern zu bieten hat. Venedig? Mehr ging wohl nicht?

Die sind hier doch größenwahnsinnig, denke ich noch, als mir der Klimawandel einfällt. Wie war das? Der Meeresspiegel steigt?

In wenigen Jahren wird Venedig, Italien, versunken sein – und dann kommt Wolfenbüttel ins Spiel, ist sich das Stadtmarketing offenbar sicher: Was Venedig den Untergang beschert, wird Wolfenbüttels Auftrieb. Vorausschauend hat die Stadt die Hinweisschilder schon mal zweisprachig aufgestellt: „Big Canal“, lese ich da und schaue auf die Hängegeranien der Hinterhofbalkone über dem geschätzt 100 Meter langen Wasserarm. Aber wie heißt es so schön: ohne Visionen keine Zukunft.

Ich schließe die Augen und sehe das erste Kreuzfahrtschiff auf der Oker vorbeiziehen und hinter der Bundesakademie in der Schünemannschen Mühle andocken.