Über das Schreiben, Kreativ, Kultur vor Ort, Uncategorized, Workshops und Kurse

Phönix aus der Asche

Schreibwettbewerb gegen die Coronakrise

Menschen mussten schon immer Krisen bewältigen. Steckt man mittendrin, scheint ein Problem oft ausweglos zu sein. Krisen können aber auch neue Möglichkeiten eröffnen. Sie lassen uns über uns hinauswachsen und führen zu ungeahnter Kreativität. Oft genug hört man: „Die Krise hat erst ermöglicht, dass …“

Das Neue ist wie ein Phönix aus der Asche entstanden. Etwas ist kaputtgegangen, etwas Neues konnte daraus erwachsen.

Der Wettbewerb richtet sich alle, die Lust haben, eine fiktive Kurzgeschichte zu diesem Thema zu schreiben. Dabei muss die gegenwärtige Coronakrise gar nicht Gegenstand des Textes sein: Erzählen Sie die Geschichte einer Krise, die zu etwas Neuem, Anderen, vielleicht Wunderbaren führt.

Die Geschichten und Figuren sollten erfunden sein.

Teilnehmen:

Der Text darf maximal 5 Din-A-4-Seiten umfassen.  Verwenden Sie die Schriften Times New Roman oder Arial in der Schriftgröße 12 pt bei einem Zeilenabstand von 1,5 oder schreiben Sie etwa 1.700 Wörter/10.000 Zeichen (incl. Leerzeichen).

Schicken Sie Ihre Kurzgeschichte als E-Mail-Textanhang im Format doc, docx, rtf oder odt an folgende E-Mail-Adresse: Schreibengegendiekrise@web.de.

Einsendeschluss ist der 15. Juni 2020.

Vergessen Sie nicht, Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre E-Mailadresse oder sonstige Kontaktmöglichkeiten anzugeben. Texte, die nur mit einer E-Mail-Adresse eingesandt werden, werden nicht berücksichtigt.

Gewinnen:

Die Auswahl trifft eine Fachjury aus renommierten Kulturtreibenden aus Lüneburg.

Zu gewinnen gibt es Buchpreise und Veranstaltungsgutscheine unserer Kooperationspartner.

Eine Veröffentlichung der Gewinnertexte online auf der Webseite http://www.schreibengegendiekrise.de oder auf den Seiten unserer Kooperationspartner sowie im Magazin Quadrat ist geplant und behalten wir uns ausdrücklich vor. Mit Einsendung des Textes stimmen Sie dem zu. In begründeten Fällen können wir von der Nennung Ihres Klarnamens absehen.

Datenschutz

Ihre persönlichen Daten speichern und nutzen wir nur zum Zweck der Durchführung des Wettbewerbs. Nach Beendigung aller Wettbewerbsteile werden Ihre Daten wieder gelöscht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Was hilft, uns trotzdem nahe zu sein?
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Etwas tun

Leben in Zeiten von Corona

Vollbremsung – das ist es wohl, was viele durch den Shutdown aufgrund der Coronapandemie für ihr Leben empfinden. So ging es auch mir. Der Terminkalender ist plötzlich nichts mehr wert. Was da steht, interessiert nicht mehr, war vielleicht gestern wichtig, heute gelten andere Regeln.

Von 100 auf 0 ist für viele existenzbedrohend. Freie Künstler und Musiker sind betroffen, der Einzelhandel – sofern er nicht lebenserhaltende Waren verkauft -, die Gastronomie und Hotellerie.

Und Menschen müssen sich isolieren. Wer wie ich nicht alleine lebt, ist fein raus. Aber all die Menschen, die gerade fast komplett abgesondert von der Gesellschaft sind, weil ihnen vielleicht der Zugang zu modernen Medien fehlt, weil sie keine Familie oder Freunde haben, stehen vor großen persönlichen und psychischen Herausforderungen.

Mir kommt der Ruf nach der Ruhe, die man genießen soll, da ziemlich zynisch vor. Menschen geraten an ihr Existenzminimum, andere sind von sozialer Isolation bedroht – und ich soll mich ruhig auf mein Sofa legen und eine Netflix-Folge nach der anderen schauen? Oder etwas anspruchsvoller: endlich all die Bücher lesen, die ich schon immer lesen wollte?

Klar, man muss sich erstmal sortieren, erstmal sehen, was für ein Leben ist gerade eigentlich noch möglich? Dann kann man aber eigentlich schnell zu dem Schluss kommen, dass viele von uns Möglichkeiten haben, tätig zu werden.

Freundschaft geht gerade nur virtuell
Jeder für sich, aber doch alle verbunden

Um es an der Stelle klarzustellen und um Kommentaren vorzubeugen: Es gibt auch sehr viele Menschen, die derzeit an ihrer absoluten Belastungsgrenze arbeiten. Das weiß ich natürlich, bin dankbar und habe großen Respekt für ihre Leistung, aber darum geht es mir hier gerade nicht.

Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Einnahmen zum größten Teil aus einer Festanstellung und meiner Redaktionsarbeit kommen. Letztere ist natürlich nicht eingestellt und läuft weiter.

Meine Musikarbeit, meine Schreibkurse und ein zeitintensives Schulprojekt ruhen. Da ist Zeit, in der ich sonst Chorproben vorbereitet und geleitet hätte, Zeit, in der ich im Gottesdienst Orgel gespielt hätte, Zeit, in der ich mit Menschen geschrieben hätte, sie an ihre eigene Kreativität herangeführt hätte oder ihnen Schreibtechniken vermittelt hätte.

Diese Arbeit habe ich immer für eine überwiegend künstlerisch-musische gehalten, aber – und das habe ich bereits in dieser Krise gelernt – sie ist in einem viel höheren Maße sozial, als ich gedacht hätte. Was ich vor allem in den Chören tue, bringt Menschen zusammen, verschafft ihnen Zeiträume, in denen sie sich wohlfühlen können, gemeinsam an und für etwas arbeiten. Der Aspekt, sich regelmäßig zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsame Ziele zu verfolgen, ist ein wichtigerer Faktor, als ich vor Corona jemals geglaubt hätte.

Chorgefühl in Zeiten von Corona
Wie ein Schattenchor fühlen wir uns derzeit.

Deshalb kann ich jeden Chorleiter verstehen, der versucht, irgendwie digital mit seinen Sängerinnen und Sängern in Kontakt zu bleiben und sogar online Chorproben aufzulegen, wenigstens in kleinem Format. Und das nicht nur, weil wir dadurch rechtfertigen, weiter Geld zu beziehen, das ist vor allem, weil wir spüren, wie wichtig diese Proben für alle sind. Die Reaktionen meines Gospelchores auf meine fünfminütige Probeneinheit und ein dreistimmig von mir eingesungenes Lied zum Mitsingen zuhause haben mir Tränen in die Augen getrieben.

Es ist wohl etwas dran, dass man sich in der Krise näher kommen kann – sogar beim Social Distancing.

Viel dramatischer finde ich aber, dass Kirchen geschlossen bleiben müssen. Der Zufluchtsort für viele Menschen, wenn sie in Not sind und Zuspruch brauchen! Dabei geht es gar nicht einmal primär um die Gottesdienste. Allein der Kirchenraum ist ja für viele – sogar für nicht unbedingt Gläubige – oft ein Zufluchts- und Andachtsort, gerade in Zeiten von Not und Sorge.

Social Distancing kann zu Vereinsamung führen.
Wir müssen verhindern, dass Senioren vereinsamen.

Wenn ich darüber nachdenke, was in diesen letzten Tagen der Zuspitzung der Krise Priorität für mich bekommen hat, bin ich durchaus etwas überrascht. Ganz schnell war da die Beschäftigung mit der Frage, wie ich daran mitarbeiten kann, Nähe in dieser Situation zu erzeugen . Mir selbst fällt das Distanzhalten unglaublich schwer. Mir fehlt es, Freunde in den Arm nehmen zu können, Menschen die Hand zu schütteln, überhaupt Menschen zu treffen.

Mein Arbeitsort Kirche war plötzlich in meinem Kopf so präsent wie lange nicht. Da ist Orgelspielen ein Job unter vielen. Aber jetzt? Bereits letzten Sonntag, als wir noch eine Andacht unter verstärkten Hygieneauflagen gefeiert haben (statt des geplanten Vorstellungs- und Taufgottesdienstes der Konfirmanden), war unserer Pastorin und mir klar: Da muss etwas passieren.

Wir haben es geschafft, in dieser Woche ein Andachtsformat aufzulegen, das heute online gegangen ist. Die vielen schönen Rückmeldungen zeigen, dass es das Richtige war. Mitgeholfen hat übrigens meine Tochter, deren Ausbildungsbetrieb, ein Hotel in Warnemünde, seine Pforten vorläufig schließen musste. Auch sie ist froh, eine Aufgabe zu haben, die in dieser Zeit sinnvoll ist.

Urlaub ist schön, aber das, was wir haben, ist kein Urlaub. Wir werden weitermachen. Es wird wieder eine Andacht geben. Und eine Chorprobe. Und ich werde nächste Woche allen Sängerinnen meines Seniorensingkreises einen Brief schreiben. Einige von ihnen sind alleinstehend und in dieser Zeit – oft noch ohne die digitalen Möglichkeiten – wirklich allein.

Und ich werde für das Kulturzentrum, bei dem ich ehrenamtlich arbeite und ein Schreibcafé betreibe, einen Schreibwettbewerb auflegen. Darüber könnt Ihr hier sicher bald mehr lesen.

Bis bald und bleibt/werdet gesund und wer kann, sollte darüber nachdenken, wo er/sie tätig werden kann, um die Auswirkungen der Krise zu minimieren.