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Wer steht da auf dem Sockel?

August II in Wolfenbüttel

Ob man auf Reisen Denkmäler besucht oder nicht, ist eine Geschmacksfrage: Manch ein Tourist mag es, erhabene Männer auf Sockeln ob ihrer Taten zu bewundern. Große Fürsten beweisen beispielsweise auffallend oft martialisch ihre Stärke zu Pferde. Das erzählt Geschichte, vor allem ihre Glanzpunkte – oder das, was man dafür hielt, als das steinerne oder bronzene Ebenbild geschaffen wurde.

Was aber machen wir mit einem Herrscher, der neben seinem Pferd steht, wie August II in seinem Denkmal im Zentrum von Wolfenbüttel? War etwa schwach oder konnte er gar nicht reiten? Was erzählt uns sein Standbild?

Entstanden zur Verschönerung der Stadt knapp 250 Jahre nach Augusts Tod, wollte die Stadt ihren Größten ehren. Da ist er in guter und reichlicher Gesellschaft: Das im 19. Jahrhundert erwachte Geschichts- und Nationalbewusstsein hat viele Denkmäler bis in die Kaiserzeit hinein hervorgebracht, so auch das Augusts im Jahr 1904.

Doch einen Feldherrn hat Wolfenbüttel in August nicht zu bieten. Ein Schöngeist war er. Mehrere Sprachen hat er studiert und mit seiner Sammelleidenschaft für Bücher eine der größten Bibliotheken des 17. Jahrhunderts aufgebaut, die auch heute noch Weltruhm hat. Um die deutsche Sprache hat er sich verdient gemacht, schrieb auf Deutsch und war Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, einer ersten Interessensgemeinschaft, die  die Vereinheitlichung und Förderung der deutschen Sprache vorangetrieben hat. Außerdem hat August sein Land reformiert und mit Weitblick versucht, die Folgen des 30jährigen Krieges zu überwinden.

Wie soll man das erzählen mit einem Denkmal? Eine reine Dichter- und Denkerpose kommt ebensowenig infrage wie ein kriegerischer Impetus. Also mischt der Bildhauer, stellt den offensichtlich zivil gekleideten Herzog mit einem Langschwert dar. Seine Hand aber befindet sich nicht am Heft, zeigt keine Ambition, die Waffe zu ziehen. Das Pferd steht ruhig neben ihm, aber es ist gesattelt. Was soll das heißen? Soll es uns sagen, dass der Herzog, wenn nötig, bereit gewesen wäre, aufzusitzen und loszupreschen? Es war nicht nötig. Die Umstände haben ihn zu einem friedlichen Fürsten gemacht. Und so steht er da. Ein Reiterstandbild, das seinen Namen auch verdient.