Die Kaffeepause ist Gold wert.
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Selbst und ständig oder frei?

Als freiberuflich arbeitende Lektorin (und Autorin und Musikerin) habe ich so meine Erfahrungen mit der Selbständigkeit gemacht. Dass Selbständigkeit bedeutet „selbst und ständig“ zu arbeiten, ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen. Immer gibt es etwas zu tun. Ich muss Termine einhalten, ich muss mich um die Werbung kümmern, ich muss einen kleinen Auftrag einschieben, ich muss mich um die Internetpräsenz kümmern, den Datenschutz, schnell noch eine paar E-Mails beantworten und einen Kunden, der Fragen hat mal schnell noch am Wochenende zufriedenstellen.

Muss ich?
Natürlich muss ich Vieles tun. Während ich in einer angestellten Tätigkeit eine Jobbeschreibung habe, die vor allem meine Kernkompetenzen umfasst – dafür bin ich schließlich eingestellt worden – bedeutet Selbständigkeit, auch die Dinge zu tun, die in einem Unternehmen vielleicht einem Kollegen zufallen. Ich muss mich als Selbständige von A bis Z um alles kümmern, von der Steuer bis zur Werbeanzeige, von Akquise bis zur Rechnungsstellung.

Das ist oft eine ziemliche Herausforderung, denn ich bin nicht in allem gleich gut. Richtig gut bin ich natürlich in meinem Fach, dem Lektorat und dem Schreiben. Schwerer fällt mir die Kundenakquise. Und die Buchhaltung gehört auch nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, während alles Kreative mir viel Spaß macht.

Dennoch empfinde ich es als Bereicherung für mein Leben, all diese Dinge machen zu dürfen. Ich habe Verantwortung von Anfang bis Ende meines Arbeitsprozesses. Ich arbeite nicht nur zu, sondern suche mir die Projekte aus, betreue die Kunden, und sehe am Ende das Geld auf meinem Konto. Eine lückenlose Wertschöpfungskette in voller Verantwortung. Vielleicht muss man das mögen – mir gefällt’s. Das heißt manchmal auch Arbeit zu ungewöhnlichen Zeiten, außerhalb der Geschäftszeiten ansprechbar zu sein, aber das ist selbstgewählt.

Die Freiheit, nein zu sagen

Auch wenn Vieles muss, so habe ich doch meine Freiheiten: Ich kann meine Projekte selber planen und mich kreativ ausleben. Ich kann meine berufliche Ausrichtung steuern, ändern, gewichten. Ich kann zu einem Autor auch mal „nein“ sagen, weil er mir nicht zusagt. Ich muss einen Auftrag nicht annehmen und ich bestimme – in gewissen Grenzen – selbst die Zeit, die ich dafür einplane.

Ich gebe zu: Es ist nicht ganz leicht, aber ich habe gelernt, zumindest hin und wieder nein zu sagen. „Können wir Samstag telefonieren?“, beantworte ich schlicht und ergreifend mit „nein“, auch wenn mein Terminkalender weiß wie Schnee ist. Ich habe nämlich beschlossen, dass samstags Familientag ist. Das gilt auch für andere Zeiten, die mir heilig sind. Warum soll ich immer können? Niemand hat die Hoheit über meinen Kalender außer mir.

Mittlerweile koordiniere ich meine Zeiten mit denen meines Mannes. Wir planen gemeinsame freie Zeit ein, aber wenn er einen dringenden Termin hat, dann überlege ich, zu der Zeit auch zu arbeiten, sogar wenn es am Abend oder am Wochenende ist. Das verschafft uns gemeinsame Freizeit.

Freizeit einplanen

Früher war gemeinsame Freizeit ein echtes Problem. Ich hatte viele Abendtermine. Das hat zu Unzufriedenheit und Spannungen geführt. Als uns das klar wurde, habe ich meine Arbeit umstrukturiert (das war bei mir gut möglich, bei ihm – er ist Lehrer –  nicht so gut). Das hat uns als Paar, damals auch noch als Familie mit Kindern zuhause, deutlich entspannt. Wir konnten abends gemeinsam essen, reden, ich musste nicht gleich wieder los. Dafür ist an die Stelle gemeinsame Aktivität getreten. Das genießen wir sehr.

Das ist alles natürlich nicht immer leicht. Im Moment bin ich auch wieder in einer Phase, in der ich pausenlos arbeiten könnte. Merke ich, dass es mal wieder reicht und ich dringend eine Pause brauche, dann mache ich den PC komplett aus und schließe die Tür zu meinem Arbeitszimmer.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch, nicht das Smartphone stattdessen zu bemühen und doch schnell noch E-Mails zu lesen oder die Kollegengruppe auf Facebook zu besuchen. Manchmal bin ich in solch einem Strudel. Dann hilft es nur noch, das Handy komplett aus dem Wohnzimmer zu verbannen. Es geht. Und es fühlt sich sogar gut an und befreit. Im Sommer aber, da ist es gar nicht so schwer: Da gehe ich in den Garten und vergesse die Zeit – und die Arbeit.

 

 

 

 

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Das Ehrenamt hält viele gesellschaftliche Bereiche erst am Laufen.
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Schreiben – ehrenhalber

Mein letzter Blogpost liegt jetzt über einen Monat zurück. Paradoxerweise handelte er davon, dass ich auch im Urlaub schreiben würde. Nun – das habe ich nicht. Zumindest nicht hier. Stattdessen habe ich mir eine neue Beschäftigung an Land gezogen: Ich arbeite für ein Kulturzentrum, dessen Ziel es ist, Geflüchtete zu integrieren und ihnen in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich einen Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Dort betreue ich die Öffentlichkeitsarbeit – ehrenamtlich. Das ist Ehrensache. Schon lange haben mein Mann und ich nach einer Möglichkeit gesucht, uns sowohl kulturell als auch bei der Integrationsförderung zu engagieren.

Der Verein One World Reinstorf e.V. hat ziemlich beeindruckende Ziele: Im alten Gasthaus in unserem Nachbardorf sollen von Donnerstag bis Sonntag Konzerte, aber auch Diashows, Filme,  Ausstellungen und Tanzveranstaltungen stattfinden. Dazu gibt es einen wunderschönen Saal mit Bühne und professioneller Technik. Zusätzlich haben wir Gastronomie. In diesem Umfeld sollen Jobs für Geflüchtete entstehen, die natürlich in Schulungsprogrammen in der Gastro und Veranstaltungstechnik richtig ausgebildet werden. Dazu muss aber der Laden laufen. Es müssen also genügend Veranstaltungen her, die dann auch noch gut besucht werden, damit Geld nach allen Kosten für die Integrationsarbeit übrig bleibt. Und es müssen genügend Gäste die Gaststätte besuchen. – Das ist nämlich ein weiteres Ziel: Unsere Dörfergemeinschaft wieder zu beleben und Angebote zu machen, für die nicht in die Stadt gefahren werden muss.

Für Pressepräsenz muss man ständig am Ball bleiben

In diesem Umfeld habe ich mich nun bereiterklärt, bei der Öffentlichkeitsarbeit mitzuhelfen. Immerhin kann ich professionell Texte schreiben. Das  ist aber nur ein Teil meiner Arbeit. Wir brauchen dringend Aufmerksamkeit, damit die Menschen überhaupt wissen, dass es uns gibt. Also muss dafür gesorgt werden, dass die Presse regelmäßig Termine veröffentlicht, am besten auch redaktionelle Beiträge. Dazu sind Telefonate, E-Mails und Absprachen nötig, Online-Portale müssen bedient werden. Zusätzlich schreibe ich noch den Newsletter für die Vereinsmitglieder und die Interessierten.

Wahrscheinlich wäre das alles gar nicht so wild, wenn die Strukturen schon stehen würden. Aber das ist noch nicht der Fall. Der Verein existiert seit März und alle Abläufe kommen erst so langsam ans Laufen. Seit Juli habe ich damit viele Stunden verbracht und so kaum Zeit für anderes gehabt. Tut es mir leid? Nein. Natürlich nicht. Ich möchte, dass One World funktioniert. Es ein fantastisches Konzept. Und es ist eine große Herausforderung, das alles mit Ehrenamtlichen zu stemmen. Aber wir wollen, dass es gelingt.

Deadlines in der Freizeit

Natürlich muss ich nach dem Urlaub auch wieder arbeiten und habe weniger Zeit zur Verfügung. Aber immerhin habe ich mich trotzdem auch wieder auf Schreibentreiben besonnen. Es beginnt also hoffentlich so langsam, rund zu laufen, nachdem die ersten Hürden gemeistert sind. Ich bin optimistisch. Und demnächst gibt es einen Praktikanten, der Teile des Marketing mit übernimmt.

Man kann natürlich darüber geteilter Meinung sein, ob man seine professionell genutzten Fähigkeiten, sprich: die beruflichen Qualifikationen, auch noch im Ehrenamt einsetzen sollte. Aber ich habe nun mal spezielle Stärken und es lohnt sich vor allem diese für die Gemeinschaft einzusetzen. Auch wenn ich dann auch noch in meiner Freizeit etwa in den Stress von Deadlines gerate.

Trotzdem: was wäre unsere Gesellschaft, wenn es nicht Menschen gäbe, die sich mit noch viel mehr einbringen, als ich es tue? Dafür haben sie meinen ganz großen Respekt. Ich bin froh, dass ich ein Projekt gefunden haben, das ich gerne mache und das ich aus vollem Herzen unterstützen kann.

 

 

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Auszeiten nutzen

Als Freiberufler muss man  lernen, Pausenzeiten ernst zu nehmen. Viele von uns – bestimmt nicht nur im kreativen Umfeld – sind mit großer Begeisterung und voller Herzblut bei der Arbeit. Da kommen Pausen schon mal zu kurz. Schnell noch das Kapitel zu Ende schreiben, den Artikel eben noch lektorieren. Ach was, das Brot kann man doch auch nebenbei essen. Und Kaffee oder Tee geht sowieso immer.

Klar, manchmal sind Deadlines einzuhalten oder der Auftraggeber hätte gerne Montag früh die Korrektur des Zwanzigseiters, den er Freitagmittag abgegeben hat. Natürlich, meine Arbeit macht mir Spaß, da mache ich das doch gerne. Oder? Wie lange geht sowas gut?

Irgendwann merkt man, dass es nicht mehr geht. Der Kopf verstopft, der Körper rebelliert und langsam, ganz langsam macht die Arbeit vielleicht doch gar nicht mehr so viel Spaß.

Da heißt es gegenzuarbeiten. In meinem Artikel über den Schweinehund habe ich ja schon über die dringend notwendige Arbeitsorganisation geschrieben, um effektiv zu bleiben und sich nicht zu zerfasern bei der Arbeit, damit ich auch das schaffe, was getan werden will oder muss.

Aber zu einem gesunden Arbeiten gehört noch mehr: Sich Auszeiten gönnen. Die kann und sollte man mit einplanen in den Alltag. Jeder kennt doch die Dinge, die einen sofort wieder auf Null setzen. Bei mir ist es Wasser, egal ob Fluss, See oder Meer, am besten in seiner möglichst natürlichen Umgebung. Direkt vor meiner Tür liegen die niedersächsischen Elbtalauen. Ein Spaziergang durch die Wiesen am Elbufer dort ist ein Mini-Urlaub und Balsam für Geist und Seele.

Doch man muss auch lernen, Gelegenheiten zu ergreifen. Ein absoluter Glücksfall ist für mich ein Zweitagestrip nach Sylt nächste Woche.  Der ist mir quasi in den Schoß gefallen, da meine Tochter dort ein Vorstellungsgespräch hat. Sie hätte auch allein mit dem Zug fahren können, aber eine solche Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen: Ein Spaziergang am Strand, die auflaufenden Wellen beobachten, Ebbe und Flut spüren und die frische Seeluft einatmen, das ist auch für einige Stunden Urlaub.

Und wenn ich das dann noch mit mir lieben Menschen gemeinsam genießen darf, dann ist das Glück pur. Das entschädigt nicht nur für durchgearbeitete Wochenenden und Abende, sondern ist echte Erholung. Und das Beste: ich bin sicher, dass ich ganz ohne mich anstrengen zu müssen neue Ideen bekomme und mit Sicherheit erfüllt und mit neuem Elan wieder nach Hause reisen werde. – Na ja, bis auf die Wehmut, die ich immer verspüre, wenn ich das Wasser wieder verlassen muss.

 

Über das Schreiben

Der berühmte Schweinehund…

… und wie man ihn bändigt

Wer kennt ihn nicht, diesen Motivationskiller, Tatenverhinderer, Aufschieber? Genau: den inneren Schweinehund. Beim Schreibentreiben ist er ein wahre Plage. Was alles führt er nicht ins Feld, um den Gang an den Schreibtisch herauszuzögern. Wollte ich nicht noch …? War da nicht … ? Könnte ich nicht …? Nur einen Moment noch …!

Wer einmal damit anfängt, aufzuschieben, hat es schwer, wieder die Kurve zu kriegen. Allzu schnell ist die fürs Schreiben veranschlagte Zeit vorbei und es rufen andere Tätigkeiten. Termine, Dienstbeginn, Familienhunger und, und, und. Am Ende ist es wieder ein Tag, der ohne Schreiben vergangen ist.

Schreibentreiben ist das beste Beispiel. Seit einigen Wochen dümpelt ein einziger Beitrag hier herum. Und so richtig um Social Media habe ich mich auch noch nicht gekümmert. Dabei habe ich mir vorgenommen, den Blog ganz schnell voranzutreiben und hoffentlich viele begeisterte Leser zu erreichen.

Natürlich gibt es immer viele gute Gründe, warum ich dies oder jenes nicht schaffe. Klar, auch mich hat die Erkältungswelle vor ein paar Wochen erwischt, dadurch sind wichtige Sachen liegengeblieben. Ich habe viele Zusatzdienste in der Redaktion übernommen und dadurch war meine Zeit begrenzt. Noch nicht abgeschlossene Arbeiten brauchten  meine Aufmerksamkeit.

Alles richtig: Aber war da nicht auch Zeit , die ich sinnlos am Handy gedaddelt habe? Die Fernsehabende, die am Ende nur das schale Gefühl hinterlassen haben, Stunden sinnlos auf die Mattscheibe gestarrt zu haben und mich am Ende nicht einmal mehr erinnern zu können, was ich da eigentlich geguckt habe? Und genau in diesen Momenten taucht dieser verdammte Schweinehund aus seiner Versenkung auf, grinst mich feixend an und feiert Orgien.

Auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig, auch mal nichts zu tun, einfach die Seele baumeln zu lassen. Irgendwo müssen die Ideen schließlich herkommen. Es braucht Ruhe, Besinnung und auch neue Eindrücke von außen. Aber die bekomme ich natürlich weder beim Fernsehen noch beim Daddeln. Wie gut, dass jetzt endlich der Frühling da ist und der Garten reichlich Gelegenheit gibt, den Kopf richtig frei zu bekommen und dabeiauch  noch richtig produktiv zu werden. Und fitter macht die Bewegung an der frischen Luft auch noch.

Trotz der sinnvolleren sommerlichen Freizeitgestaltung muss ich aber trotzdem wieder ans Schreiben zu kommen. Schönes Wetter ist ja nicht gerade die beste Motivation für Schreibtischarbeit. Damit das trotzdem nachhaltig klappt,  habe ich beschlossen, meinem inneren Schweinehund den Kampf anzusagen. Letzte Nacht nämlich hat er wieder mal eine seiner berühmten Orgien gefeiert. Dabei brüllte er mir all meine offenen Projekte mit einer Lautstärke ins Ohr, die mir den Schlaf geraubt hat.

Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Ich bin aufgestanden und habe meine wundervolle aber bisher komplett nutzlose Pinwand in eine Motivations- und To-do-Tafel verwandelt. In einer Wochenleiste pinne ich alle Dinge an, die in der Woche beruflich zu erledigen sind. Soweit  ist es leicht, meine Arbeit habe ich bisher immer pünktlich erledigt und Termine eingehalten. Dazu hat auch der Kalender gereicht.

Der Clou: unter der Wochenleiste habe ich zwei Blöcke mit offenen Projekten. In einem Block pinne ich alle offenen Sachen an, also Dinge, die irgendwie schon laufen. Dazu gehören die beiden Bücher, die dieses Jahr veröffentlicht werden sollen, aber auch organisatorische Schritte, die endlich einmal in Angriff genommen werden wollen.

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