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Toskana, Sehnsuchtsort

Italien ist mein Sehnsuchtsort. Ein paar Mal war ich dort. Das erste Mal schon als kleines Kind. Wahrscheinlich hat mich das gleich infiziert. Um ehrlich zu sein: So richtig kennengelernt habe ich bisher nur die Toskana. Die aber gefällt mir ausgesprochen gut. Es gibt wohl kaum eine Region, die eine solche Kulturdichte zu bieten hat und das in einer Landschaft, deren Schönheit nur schwer zu überbieten ist. Grund genug, eine Einladung auszusprechen, eine der schönsten Gegenden dieser Welt kennenzulernen – auf meine Art:

Michelangelo, Medici und die Renaissance

Verabschiede dich zunächst vom Gedanken, dass sich ein Urlaub in Italien nur gelohnt hat, wenn du möglichst viele kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigt hast. Nehmen wir z.B. die Toskana: Eine Region in Mittelitalien, die niemand wieder verlässt, ohne nicht mindestens Florenz, Pisa und Lucca inklusive ihrer kühlen Kirchen, ihrer außen schlichten und innen so prunkvollen Paläste und ihrer reichlich gefüllten Museen besucht zu haben. Keine Frage: Das sind alles beeindruckende Zeugnisse von Italiens großer Kulturgeschichte, in der etwa Michelangelo oder Da Vinci die Toskana zum Zentrum der Renaissance gemacht haben. Verschwiegen werden sollen auch nicht die mächtigen und äußerst kunstsinnigen Medici, aber auch all die anderen großen Geschlechter, die überall ihre Spuren hinterlassen haben – vor allem in den Geschlechtertürmen, die in fast jedem noch so kleinen Ort weithin sichtbar hoch aufragen und von der einstigen Macht ihrer Erbauer erzählen. Natürlich: All das muss man irgendwann gesehen haben in der Toskana.

San Gimignano
Geschlechtertürme in San Gimignano

Aber dann plane mindestens eine Woche ein, in der du keinen Ort betrittst, der mehr als 500 Einwohner hat. Erst dann wirst du das wahre Italien erleben und erkennen, was die Toskana so einzigartig macht.

Käse und Wein zum Sonnenuntergang

Gönne dir diese Tage für die Erhabenheit der Zypressenalleen, die Üppigkeit der Sonnenblumenfelder und die Kargheit der Olivenhaine. Schon seit der Etruskerzeit ist die Toskana eine durch den Menschen geformte, einzigartige Kulturlandschaft, sie wurde bepflanzt, befestigt, bewässert und auf diese Weise verändert zu einem einzigen großen Landschaftsgarten.

Reife Zitrone in der Toskana
Sogar die Zitronen machen hier Appetit.

Wandere durch die Landschaft oder steig zumindest aus am Wegrand und atme die harzige Luft unter den Pinien. Wenn du Glück hast, sind die Zapfen gerade reif und du kannst ein paar der schmackhaften Kerne ernten. Fahre ins Chianti und verkoste in einer Fattoria unter alten Eichen die kräftigen Weine, die nirgends so gut schmecken, wie dort an dem Ort, wo sie gedeihen und wo sie gekeltert wurden. Am Abend lass dich in einem Ristorante verwöhnen mit Pasta, Wildschwein und Trüffel.

Das macht Appetit
Oliven, Käse, Schinken in einer Ladenauslage

Dein Urlaub in Italien soll auch Meer bieten? Bitteschön: Die Mittelmeerküste im Westen der Toskana  ist wie gemacht für einen Sundowner am Strand. Genehmige dir dazu ein paar der ebenso einfachen wie schmackhaften toskanischen Antipasti – viel perfekter kann ein Abend nicht sein.

Sonnenuntergang in Viareggio
Sonnenuntergang in Viareggio

Und wenn du dann noch abwartest, bis es dunkel ist und über dir der Sternenhimmel seine funkelnde Unendlichkeit ausbreitet, weißt du, dass du im Paradies bist . Schenk dir jetzt ein Glas Rotwein ein, nimm dazu etwas Pecorino, Olivenöl und Brot und genieße diesen Augenblick!

 

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Große Zukunft für kleine Stadt

Es gibt Orte, die sucht man sich nicht aus, sondern landet dort. Zufällig, weil man zum Beispiel ein Seminar besucht, etwa in der Bundesakademie in Wolfenbüttel. Wolfenbüttel? Nie gehört? – Und wenn schon! Das Stadtmarketing nimmt’s offenbar „lessig“, wie eine Broschüre verheißt, die ich in die Finger bekomme.

„Lessig“? – Nicht mal richtig schreiben können die hier, denke ich, als mir dämmert, dass das was mit Gotthold Ephraim Lessing zu tun hat. Typischer Fall von Selbstüberschätzung! Hier hat halt mal ein Dichter gelebt, der selbst Deutschlehrern nicht mehr sofort einfällt, wenn sie große deutsche Literaten aufzählen sollen.

Ich wandere durch die Stadt und staune: Hier werden nicht nur versunkene Schriftsteller am Leben gehalten, man scheint auch bereit zu sein, das Erbe einer versinkenden Kulturmetropole anzutreten. „Klein Venedig“, so lese ich in der Stadt, die zweifelsohne etwas Wasser zwischen Häusern zu bieten hat. Venedig? Mehr ging wohl nicht?

Die sind hier doch größenwahnsinnig, denke ich noch, als mir der Klimawandel einfällt. Wie war das? Der Meeresspiegel steigt?

In wenigen Jahren wird Venedig, Italien, versunken sein – und dann kommt Wolfenbüttel ins Spiel, ist sich das Stadtmarketing offenbar sicher: Was Venedig den Untergang beschert, wird Wolfenbüttels Auftrieb. Vorausschauend hat die Stadt die Hinweisschilder schon mal zweisprachig aufgestellt: „Big Canal“, lese ich da und schaue auf die Hängegeranien der Hinterhofbalkone über dem geschätzt 100 Meter langen Wasserarm. Aber wie heißt es so schön: ohne Visionen keine Zukunft.

Ich schließe die Augen und sehe das erste Kreuzfahrtschiff auf der Oker vorbeiziehen und hinter der Bundesakademie in der Schünemannschen Mühle andocken.

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Wer steht da auf dem Sockel?

August II in Wolfenbüttel

Ob man auf Reisen Denkmäler besucht oder nicht, ist eine Geschmacksfrage: Manch ein Tourist mag es, erhabene Männer auf Sockeln ob ihrer Taten zu bewundern. Große Fürsten beweisen beispielsweise auffallend oft martialisch ihre Stärke zu Pferde. Das erzählt Geschichte, vor allem ihre Glanzpunkte – oder das, was man dafür hielt, als das steinerne oder bronzene Ebenbild geschaffen wurde.

Was aber machen wir mit einem Herrscher, der neben seinem Pferd steht, wie August II in seinem Denkmal im Zentrum von Wolfenbüttel? War etwa schwach oder konnte er gar nicht reiten? Was erzählt uns sein Standbild?

Entstanden zur Verschönerung der Stadt knapp 250 Jahre nach Augusts Tod, wollte die Stadt ihren Größten ehren. Da ist er in guter und reichlicher Gesellschaft: Das im 19. Jahrhundert erwachte Geschichts- und Nationalbewusstsein hat viele Denkmäler bis in die Kaiserzeit hinein hervorgebracht, so auch das Augusts im Jahr 1904.

Doch einen Feldherrn hat Wolfenbüttel in August nicht zu bieten. Ein Schöngeist war er. Mehrere Sprachen hat er studiert und mit seiner Sammelleidenschaft für Bücher eine der größten Bibliotheken des 17. Jahrhunderts aufgebaut, die auch heute noch Weltruhm hat. Um die deutsche Sprache hat er sich verdient gemacht, schrieb auf Deutsch und war Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, einer ersten Interessensgemeinschaft, die  die Vereinheitlichung und Förderung der deutschen Sprache vorangetrieben hat. Außerdem hat August sein Land reformiert und mit Weitblick versucht, die Folgen des 30jährigen Krieges zu überwinden.

Wie soll man das erzählen mit einem Denkmal? Eine reine Dichter- und Denkerpose kommt ebensowenig infrage wie ein kriegerischer Impetus. Also mischt der Bildhauer, stellt den offensichtlich zivil gekleideten Herzog mit einem Langschwert dar. Seine Hand aber befindet sich nicht am Heft, zeigt keine Ambition, die Waffe zu ziehen. Das Pferd steht ruhig neben ihm, aber es ist gesattelt. Was soll das heißen? Soll es uns sagen, dass der Herzog, wenn nötig, bereit gewesen wäre, aufzusitzen und loszupreschen? Es war nicht nötig. Die Umstände haben ihn zu einem friedlichen Fürsten gemacht. Und so steht er da. Ein Reiterstandbild, das seinen Namen auch verdient.