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Literarisches Terzett

Schreiben ist die eine Sache. Die kann ich und bin relativ gut darin, sie quasi öffentlich zu praktizieren. Doch nun soll es ums Lesen gehen. Natürlich bin ich eine begeisterte Leserin und natürlich hole ich mir für meine Schreibkurse viel Anregung aus Büchern. Und ebenso natürlich begeistere ich andere für das Lesen. Das hier ist aber nun ein etwas anderes Format.

Nun soll also für Publikum gelesen werden – bzw. über das Lesen gesprochen werden. Frei nach den großen Vorbildern, dem Literarischen Quartett, Lesenswert und wie sie alle heißen. Unser Kulturzentrum in Reinstorf bekommt ein Literarisches Terzett. Drei Buch- und Lesebeisterte, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als auf der Bühne zu sitzen und sich über ihre Lieblingsbücher zu unterhalten, wenn es sein muss, ein Plädoyer zu halten. Öffentlich. Mit Publikum.

Das Literarische Terzett Reinstorf startet im One World
Drei Bücher, drei Frauen, drei Meinungen: Das Literarische Terzett Reinstorf geht an den Start.

Na ja, wir sind alle bühnenerfahren. Eine Schauspielerin, eine gestandene Theaterfrau mit Erfahrung hinter, vor und auf der Bühne und meine Wenigkeit: Autorin, Schreibtrainerin, Lektorin. Die Welt des Lesens ist die unsere. Und sie soll die unserer Gäste sein. Die Bücher haben wir ausgewählt. Keine von uns hat sich leichtgetan damit. Was passt? Wie wird es abwechslungsreich? Was ist noch nicht abgedroschen? Und worüber kann ich gut reden?

In der Freizeit lese ich zum Vergnügen

Und tatsächlich kennt keiner die Titel der anderen bisher. Von einem habe ich gehört, es aber noch nicht gelesen. Das ist jetzt die Aufgabe des Sommers: Die Buchvorschläge der beiden anderen durchzuarbeiten. Aber wie macht man das? Wie genau muss ich lesen? Normalerweise lese ich entweder beruflich, also im Lektorat. Das bedeutet, sehr langsam, sehr kritisch, sehr detailorientiert zu lesen – und zu entscheiden, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Privat bin ich Vergnügungsleserin. Ich lege Wert auf gut geschriebene Bücher mit einer gut erzählten Geschichte. Aber ansonsten bin ich offen. Das Buch muss mich fesseln, mich in seine Welt hineinziehen. Wenn das gelingt, ist es ein Lesevergnügen für mich.

Natürlich ist mein Auswahlbuch eines, das nicht nur ich verschlungen habe, sondern das auch mich verschlungen hat. Aber das ist ein Satz. Das reicht nicht auf der Bühne, um den anderen meine Literatur schmackhaft zu machen und zu beweisen, dass es ein fantastisches Buch ist, das man unbedingt lesen sollte. Also heißt es analytisch lesen. Aber nicht als Lektorin. Ich will ja nicht , dass das Buch überarbeitet wird, sondern will seine Qualitäten herausstellen.

Beeindruckende verlorene Dinge
Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste – ein Buch, das mich gefesselt hat.

Worauf also achte ich? – Worum es geht, ist natürlich die erste Frage, die zu klären ist. Die Zuschauer haben ja möglicherweise das Buch nicht gelesen. Also eine Vorstellung des Inhalts, eventuell der Autorin und dann geht es auch schon los mit den Besonderheiten. Für mein Buch (Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste) ist die Idee hinter dem Buch ziemlich wichtig. Und seine Struktur. Es gibt keine zusammenhängende Handlung, sondern nur den roten Faden, die Idee, an der vollkommen voneinander losgelöste Texte hängen.

Kreatives Schreiben als Kunst

Jeder hat eine andere Herangehensweise, eine andere Erzählperspektive. Was Schalansky macht, ist kreatives Schreiben pur – wenn auch natürlich hervorragend recherchiert und vorbereitet: Ein Thema sucht nach einer adäquaten Darstellungsform und die scheint fast komplett assoziativ zu sein. „Mal sehen, was da so entsteht“, scheint sich die Autorin gesagt zu haben. Entstanden ist eine Mischung aus Reisebericht, Fiktion, aus Tagebuch und journalistischer Recherche. Spannend, überraschend, geheimnisvoll und ein bisschen melancholisch.

Die Bücher der beiden anderen werde ich erst anfangen zu lesen. Außer den Klappentexten weiß ich noch nicht viel. Eines ist über Simone de Beauvoir und das andere ist die Geschichte einer Zwangsarbeiterin im Dritten Reich. Lassen wir uns also überraschen. Das wird bestimmt spannend und hoffentlich auch ein bisschen kontrovers. Und vielleicht finden wir ja Gefallen daran – und das Publikum auch – und machen das öfter.

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Schreiben im Café kann sehr inspirierend sein.
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Schreiben im Café

Schreiben im Café ist für viele Schriftsteller gar keine so außergewöhnliche Situation. Auch wenn vielleicht nicht der nächste Roman oder ein wohldurchdachter Essay dort entstehen, so ist das Café doch ein Ort der Inspiration. Es ist ein Ort der Privatheit im Öffentlichen. Ich kann anonym bleiben, quasi unsichtbar – vielleicht nur scheinbar – dabei aber andere Menschen in ihrer ebenso gefühlten Privatheit beobachten. Das Café eignet sich besser dafür als ein Restaurant, weil nicht der Verzehr im Vordergrund steht. Ich kann mich stundenlang an einer Tassee Kaffee festhalten, ohne dass es weiter auffällt. Auch das Befüllen eines Notizbuches oder das Tippen auf einem Laptop sind in einem Café kaum größere Aufmerksamkeit wert. Dafür kann ich beobachten, Stimmungen aufnehmen, Situationen erfassen oder einfach die Gedanken greiben lassen. Es fällt auch nicht weiter auf, allein im Café zu sitzen, womit ich in einem Restaurant oder gar einer Kneipe durchaus Aufmerksamkeit auf mich ziehen würde.

Cafés sind Orte für Notate, Mitschriften, Gedankensplitter – oder auch das ein oder andere Gedicht. Tagebücher wie mein „Daheim und Unterwegs“ lassen sich hervorragend befüllen mit Eindrücken, Zeichnungen, eingeklebten Schnipseln und einem kleinen Situations-Haiku. Beim späteren Durchblättern sorgen sie für genussvolle Momente des Erinnerns an gelebte zwei Stunden voller Intesität, mit wachem Geist oder voller Entspannung, weil nichts entstehen muss, aber alles werden kann.

Ab kommenden Sonntag biete ich regelmäßig ein Schreibcafé im Kulturzentrum ONE WORLD im Alten Gasthaus in Reinstorf an. Das ist natürlich nicht der anonyme Raum eines mehr oder weniger zufälligen Cafébesuchs. Dennoch: Keiner der Teilnehmer dieses offenen Schreibtreffs weiß, wem er begegnet. Die Atmosphäre des historischen Hauses ist inspirierend. Und die zwei Stunden Zeit zum Schreiben, zum Ausprobieren, zum fantasievollen Fabulieren sind ein wunderbarer Schritt aus dem Alltag heraus in eine kreative Auszeit.


Das Ehrenamt hält viele gesellschaftliche Bereiche erst am Laufen.
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Schreiben – ehrenhalber

Mein letzter Blogpost liegt jetzt über einen Monat zurück. Paradoxerweise handelte er davon, dass ich auch im Urlaub schreiben würde. Nun – das habe ich nicht. Zumindest nicht hier. Stattdessen habe ich mir eine neue Beschäftigung an Land gezogen: Ich arbeite für ein Kulturzentrum, dessen Ziel es ist, Geflüchtete zu integrieren und ihnen in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich einen Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Dort betreue ich die Öffentlichkeitsarbeit – ehrenamtlich. Das ist Ehrensache. Schon lange haben mein Mann und ich nach einer Möglichkeit gesucht, uns sowohl kulturell als auch bei der Integrationsförderung zu engagieren.

Der Verein One World Reinstorf e.V. hat ziemlich beeindruckende Ziele: Im alten Gasthaus in unserem Nachbardorf sollen von Donnerstag bis Sonntag Konzerte, aber auch Diashows, Filme,  Ausstellungen und Tanzveranstaltungen stattfinden. Dazu gibt es einen wunderschönen Saal mit Bühne und professioneller Technik. Zusätzlich haben wir Gastronomie. In diesem Umfeld sollen Jobs für Geflüchtete entstehen, die natürlich in Schulungsprogrammen in der Gastro und Veranstaltungstechnik richtig ausgebildet werden. Dazu muss aber der Laden laufen. Es müssen also genügend Veranstaltungen her, die dann auch noch gut besucht werden, damit Geld nach allen Kosten für die Integrationsarbeit übrig bleibt. Und es müssen genügend Gäste die Gaststätte besuchen. – Das ist nämlich ein weiteres Ziel: Unsere Dörfergemeinschaft wieder zu beleben und Angebote zu machen, für die nicht in die Stadt gefahren werden muss.

Für Pressepräsenz muss man ständig am Ball bleiben

In diesem Umfeld habe ich mich nun bereiterklärt, bei der Öffentlichkeitsarbeit mitzuhelfen. Immerhin kann ich professionell Texte schreiben. Das  ist aber nur ein Teil meiner Arbeit. Wir brauchen dringend Aufmerksamkeit, damit die Menschen überhaupt wissen, dass es uns gibt. Also muss dafür gesorgt werden, dass die Presse regelmäßig Termine veröffentlicht, am besten auch redaktionelle Beiträge. Dazu sind Telefonate, E-Mails und Absprachen nötig, Online-Portale müssen bedient werden. Zusätzlich schreibe ich noch den Newsletter für die Vereinsmitglieder und die Interessierten.

Wahrscheinlich wäre das alles gar nicht so wild, wenn die Strukturen schon stehen würden. Aber das ist noch nicht der Fall. Der Verein existiert seit März und alle Abläufe kommen erst so langsam ans Laufen. Seit Juli habe ich damit viele Stunden verbracht und so kaum Zeit für anderes gehabt. Tut es mir leid? Nein. Natürlich nicht. Ich möchte, dass One World funktioniert. Es ein fantastisches Konzept. Und es ist eine große Herausforderung, das alles mit Ehrenamtlichen zu stemmen. Aber wir wollen, dass es gelingt.

Deadlines in der Freizeit

Natürlich muss ich nach dem Urlaub auch wieder arbeiten und habe weniger Zeit zur Verfügung. Aber immerhin habe ich mich trotzdem auch wieder auf Schreibentreiben besonnen. Es beginnt also hoffentlich so langsam, rund zu laufen, nachdem die ersten Hürden gemeistert sind. Ich bin optimistisch. Und demnächst gibt es einen Praktikanten, der Teile des Marketing mit übernimmt.

Man kann natürlich darüber geteilter Meinung sein, ob man seine professionell genutzten Fähigkeiten, sprich: die beruflichen Qualifikationen, auch noch im Ehrenamt einsetzen sollte. Aber ich habe nun mal spezielle Stärken und es lohnt sich vor allem diese für die Gemeinschaft einzusetzen. Auch wenn ich dann auch noch in meiner Freizeit etwa in den Stress von Deadlines gerate.

Trotzdem: was wäre unsere Gesellschaft, wenn es nicht Menschen gäbe, die sich mit noch viel mehr einbringen, als ich es tue? Dafür haben sie meinen ganz großen Respekt. Ich bin froh, dass ich ein Projekt gefunden haben, das ich gerne mache und das ich aus vollem Herzen unterstützen kann.

 

 

Schreiben macht auch im Urlaub Spaß
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Urlaub vom Schreiben?

Du schreibst? – Und was machst du beruflich? Diese Frage dürften viele Autoren kennen. Schreiben als Arbeit wird nicht unbedingt ernstgenommen. Kaum jemand kann sich vorstellen, wie die Arbeit als Autorin wirklich aussieht. Und dennoch ist der Schreibprozess sogar ziemlich harte Arbeit.

Geschichten, Romane, Gedichte, all das entsteht nur sehr selten in einem beglückenden Flow, an dessen Ende das fertige Werk präsentiert werden kann. Natürlich gibt es solche Phasen. Aber die Realität sind strenge Diszplin und eine überdurchschnittliche Gabe zur Selbstkritik – in der Lektoratsphase auch die Gabe, Kritik annehmen zukönnen. Darüber hinaus ist der Erfolg nicht unbedingt von der Qulität der eigenen Leistung abhängig, was eine hohe Frustrationstoleranz erfordert.

Aber davon will ich eigentlich gar nicht schreiben, das ist ein anderes Thema. Mich beschäftigt mal wieder der Zeitpunkt des Schreibens. Denn zumindest für mich kann ich festhalten, dass Schreiben Teil meiner Arbeit ist. Da ich aber damit nicht unbedingt das meiste Geld verdiene, kommen oft meine anderen Arbeitsbereiche Lektorat und Musik an erster Stelle. Dabei ist Schreiben aber der Teil meiner Arbeit, der mir am meisten Spaß macht, so dass ich das auch im Ehrenamt tue, also nebenbei in meiner Freizeit. Mir ist es nämlich eigentlich fast egal, ob ich damit profitabel bin, also schreibe ich Artikel für den Gemeindebrief und betreue demnächst auch noch die Pressearbeit des Vereins OneWorld.

Ich schreibe einfach gerne

Ich schreibe also zwangsläufig in meiner Freizeit. Auch das Blogschreiben gehört dazu. Natürlich hoffe ich, dass auch mal der ein oder andere mich hier entdeckt, meine Homepage aufsucht und findet, dass ich genau die richtige Lektorin für sein eigenes Buchprojekt bin. Aber das ist nicht der erste Beweggrund, ich schreibe wirklich, weil ich schreiben will. Und es ist mir fast egal, was ich schreibe. Mir gefällt es einfach, Worte zu setzen. Eben: Schreiben treiben. So richtig.

Manchmal aber stellt sich dennoch die Frage, ob es auch Urlaub vom Schreiben geben muss. Es gibt Tage, da schreibe ich nicht, also zumindest nichts, was über Einkaufszettel hinausgeht – meine Textvorschläge im Rahmen von Lektorat und Redaktion lasse ich einmal außen vor. Meistens ist es dann schon so, dass ich mich freue, wieder etwas formulieren zu dürfen.

Aber nehmen wir einmal den Urlaub: Ist das Schreiben eines Reiseblogs noch Urlaub oder schon Verpflichtung?

Reiseblogger brauchen bestimmt Urlaub vom Urlaub
Wird das Schreiben im Urlaub sauer?

Ist es Stress zu wissen, dass man noch etwas schreiben muss? Und läuft das dann dem Ziel der Erholung nicht entgegen? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich würde eine Deadline, ein Abgabetermin oder sonstiges wirklich zu Druck führen, der nichts mehr mit Urlaub zu tun hat. Ich bin der Überzeugung, dass professionelle Reiseblogger ihre Reisen als Arbeit verstehen. Vielleicht haben sie den Wunsch einmal Urlaub vom Urlaub zu machen.

Die Arbeit macht Urlaub – das Schreiben nicht

Schreibe ich aber nur für mein Vergnügen, weil mir etwas gut gefällt, weil ich Lust habe, schreibend über etwas nachzudenken, kann ich das auch im Urlaub tun. Das ist keine Arbeit. – Das Gleiche gilt auch für das Lesen. Immerhin lese ich beruflich. Trotzdem ist mir das gute Buch im Liegestuhl unter dem Sonnenschirm ein Vergnügen, ganz ohne Hintergedanken und ganz bestimmt ohne das Gefühl von Arbeit.

Ich werde also keinen Urlaub vom Schreiben machen, mir aber gut überlegen, was ich schreibe. Die Arbeit an den beiden Buchprojekten, die ganz klar in die Kategorie Arbeit fallen,  wird wohl drei Wochen ruhen, der Blog wird es nicht und vielleicht auch nicht mein Schreiben am eigenen Roman oder an Gedichten. Letztere fallen ohnehin meist in mein Leben, ohne dass ich das vorher plane.

Es bleibt also abzuwarten, was der Sommer bringt. Dennoch sollte es auch die Zeit geben, in der nichts geschehen muss, die Gedanken einfach schweifen, oder – worauf ich mich auch freue, endlich ein paar Gartenprojekte umgesetzt werden. Vielleicht schreibe ich ja darüber.

Welche Informationen sollen auf das Buchcover?
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Das perfekte Buchcover

Wonach entscheiden wir eigentlich, welches Buch wir im Laden in die Hand nehmen oder per Klick auswählen? Was gibt den Ausschlag dafür, dass irgendentwas überhaupt unser Interesse weckt? Wie kommt es, dass wir uns für das eine entscheiden und das andere nicht einmal in Erwägung ziehen?

Alle diese Fragen treiben mich gerade um. Aktuell befinden sich meine beiden Buchprojekte in der Phase „fast fertig“. Das bedeutet, dass allerlei Dinge in das Autorenleben treten, die mit dem Schreiben so gar nichts mehr zu tun haben – zumindest wenn all das in Eigenregie erfolgt, also im Selfpublishing:

Wo soll veröffentlicht werden? Wie hoch soll die Auflage sein? Welches Format soll es werden? Und natürlich: Wie soll das Cover aussehen?

Kein Verkauf ohne Bild

Meine beiden Bücher könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine ist ein Kreativ-Buch mit Anleitungen zum Tagebuchschreiben und -gestalten (Tagebuchrezepte), ist also eher im Bereich Sachbuch, DIY (Do It Yourself), anzusiedeln. Das andere ist ein Roman, der die Geschichte einer Frau (Marta) anhand ihrer Begegnungen mit anderen Menschen in Episoden erzählt und damit die Frage nach den Zufälligkeiten im Leben stellt.

Was beide Bücher verbindet, ist die die Tatsache, dass sie einen Umschlag benötigen und damit ein Umschlagdesign. Irgendwie muss es schließlich aussehen, das Buch, sogar als E-Book, als das der Roman auch erscheinen soll. Ohne Bild verkauft sich kein Buch, zumindest nicht abseits von wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Wie komme ich zum Bild?

Vor jeder Veröffentlichung stellt sich die Frage nach dem besten Coverbild.
Welches Cover?

Was für Kriterien sind anzulegen, nach denen ein Umschlag zu gestalten ist? Was hilft dir auf dem Weg zum Coverdesign?

Hier ein paar Punkte, die du auf jeden Fall in deine Coverplanung einbeziehen solltest:

  • Was für ein Buch ist es?
    Roman? Sachbuch? Kinderbuch? Ratgeber? Thriller?
    Mit einer Klassifizierung legst du auf jeden Fall schon mal einen gewissen Stil fest. Und auch wenn du es vielleicht nicht gerne magst: Vor allem die Verkäufe über das Internet benötigen eine Einordnung.
  • Worum geht es in deinem Buch?
    Bringe den Inhalt auf den Punkt. Nicht schlecht ist es, wenn der Covertext schon steht. Das kann ein guter Anhaltspunkt sein. Auch der Titel ist natürlich ein guter Hinweis.
  • Symbolbilder und klare Bildaussagen
    Welches Bild steht symbolhaft für eine Kernaussage deines Buches? Womit erzählst du etwas von der Geschichte, gibst die Stimmung wieder oder machst Lust darauf, das Buch aufzublättern? Ein treffendes Motiv, das all das vereint, ist viel wert.
    Aber überfrachte dein Cover nicht mit zu vielen Informationen. Es kann helfen, dich auf ein Schlagwort, das dein Buch beschreibt, zu beschränken und hierfür ein treffendes Bild oder Symbol zu finden. Bei unserem Roman war dieser Begriff „Begegnungen“. Am  Ende standen drei Vorschläge dazu im Raum, die unsere Grafikerin für uns als Entwürfe umgesetzt hat. Nun sind wir in der komfortablen (oder auch schwierigen 😉 ) Lage, aus drei professionellen Covern wählen zu können, die alle durchaus ihre Vorzüge haben.
  • Wie sieht die Zielgruppe aus?
    Beim Schreiben mag man sich ja noch vorstellen, ein universelles, für jeden interessantes Buch zu verfassen. Oder man kümmert sich einfach nicht darum, wer es einmal lesen wird. Nun aber geht es in die Verkaufsplanung und da ist es durchaus relevant, wer das Buch kaufen wird. Analysiere also deine Zielgruppe. In unseren Tagebuch-Anleitungen sprechen wir zunächst einmal Tagebuchschreiber an. Dann aber auch Menschen, die grundsätzlich gerne kreativ schreiben. Darüber hinaus richtet sich unser Buch an die große Gruppe all derer, die gerne kreativ werden, die mit Papier oder anderen Materialien gestalten wollen, Interesse am Binden eigener Bücher haben und auch noch ein bisschen etwas über schöne Schrift erfahren wollen. Ist das einmal eingegrenzt, sollte man gut überlegen, wovon die Zielgruppe sich angesprochen fühlen wird. Dabei hilft es, sich am Markt umzusehen. Deshalb:
  • Beobachte den Markt
    Mit dem Eintritt in die reale Welt muss dein Buch sich gegen viele andere behaupten. Da ist es gut zu wissen, was denn sonst noch so da passiert. Für unser Tagebuch haben wir also einfach mal geschaut, welche ähnlichen Veröffentlichungen am Markt sind und wie sie aussehen. In der Regel kann man ziemlich schnell sagen, was einem selbst gefällt und was nicht. Auf jeden Fall bekommst du ein Gespür dafür, was gerade so angesagt ist.
  • Kreativ aufgreifen, nicht kopieren
    Natürlich ist Kopieren nicht das Mittel der Wahl. Fällst du allerdinges mit deinem Buchdesign komplett aus dem aktuellen Stil heraus, kann es auch schwierig werden – nur in den seltensten Fällen entsteht daraus ein neuer Trend. Leser könnten es eher als „nicht zeitgemäß“ wahrnehmen. Schau dir stattdessen typische Gestaltungselemente an und überlege, welche du für deine Zwecke umwandeln kannst. Noch besser: Sag deiner Grafikerin, was dir gefällt und was nicht. Sie wird die Elemente individuell umsetzen können.
  • Arbeite mit Profis
    Die Wirkung von Bildern – und damit auch von Buchcovern – ist nur auf den ersten Blick eine reine Geschmacksfrage. Wie wir etwas wahrnehmen, was wir für ansprechend und wertig halten – und vor allem, warum das so ist, können wir bewusst oft gar nicht steuern. Da ist es gut, wenn sich jemand mit den Wirkmechanismen auskennt und die Hebel bedienen kann, um die von dir beabsichtigte  Aussageabsicht umzusetzen.

Auf dem Weg zum fertigen Buch bist du nun schon ein ganzes Stück weiter. Bleibt allerdings noch die Frage nach dem perfekten Titel. Aber die beantworte ich ein anderes Mal.
Viele weiterführende Tipps zum Thema Veröffentlichen findest du übrigens in der Self-Publisher-Bibel.

 

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Experiment Gruppenroman

Es ist etwa drei Jahre her, dass Marta auf die Welt kam, drei Jahre, dass sie mein Leben begleitet und das von Annette, Friedhelm, Ines und Mandy. Wir haben Marta gehegt und gepflegt, waren uns manchmal nicht ganz einig, wie es mit ihr weitergehen soll, haben uns aber immer wieder zusammengerauft für unser Baby. Und nun ist  Marta kurz davor, flügge zu werden, reif für die Welt.

Marta ist natürlich nicht drei Jahre alt, sondern ist in diesem Jahr 53 geworden, am 2. Mai. – Also wäre sie, wenn sie nicht fiktiv wäre und ihre Existenz allein unserer Phantasie verdankte und unserem Romanexperiment.

Begonnen hat es mit einem Namen auf einer Tafel: Marta. Dann ein Geburtstag, ein Nachname, eine Familie, der Beruf und natürlich, fein säuberlich auf einer Timeline festgehalten: ihre Begegnungen. Marta ist in ihrem Leben vielen Menschen begegnet. Die erzählen ihre Geschichte. So die anfängliche Theorie, die sich mittlerweile zur Realität mit einer erklecklichen Anzahl Seiten gemausert hat.  Meine Anfangshypothese, das es möglich ist, mit Schreiblaien einen ganzen Roman hinzukriegen kann als bestätigt gelten: Der Roman ist so gut wie fertig. Quod erat demonstrandum.

Erst lesen, dann schreiben 🙂

Wie verbindet man aber so unterschiedliche und dazu noch unerfahrene Autoren zu einem Ganzen? Das Geheimnis ist die Form. Der Roman war von Anfang an als Episodenroman geplant. Das Vorbild: Eva Menasse mit ihrem Roman „Quasikristalle“ (Kiepenheuer und Witsch), in dem die Protagonistin Xane zwar der rote Faden durch das Buch, aber eigentlich immer nur Teil der Geschichte eines ganz anderen Menschen ist. Dadurch ändert sich permanent die Perspektive auf sie, das Bild, das dabei gezeichnet wird, zeigt nur einzelne Facetten, aber dennoch begleiten wir Xane so durch Stationen ihres Lebens.

Ebenso sind wir auch mit Marta verfahren. Es gab am Anfang eine grobe Vorstellung davon, wie ihr Leben als Protagonistin durch unser Buch verlaufen könnte. An diese Biografie haben die einzelnen Autoren ihre Episoden angedockt. Dort entwickeln sich Geschichten von Menschen, denen Marta auf die ein oder andere Weise begegnet und die so einzelne Schlaglichter auf Martas Leben werfen.

Es hat ungeheuer viel Spaß gemacht, die Geschichten zu entwickeln. Es war manchmal ungeheuer mühsam, wenn wir um Worte gerungen haben. Und es war beglückend, wenn eine Episode stand und alle wussten: So muss es!

Das große Ganze im Blick

Ich bewundere zudem die Kritikfähigkeit meiner Mitstreiter, schätze ihr Vertrauen in mich als Lektorin und Schreibcoach und bin dankbar für ihre Bereitschaft, meinen Kommentaren und Einwänden zuzuhören und meine Vorschläge anzunehmen. Überhaupt: im Laufe der Zeit hat sich ein ziemlich kompetentes Team herausgebildet, in dem alle gelernt haben, genau hinzuhören, die Textteile miteinander abzugleichen und sowohl das große Ganze als auch die Dramaturgie des einzelnen Kapitels im Auge zu haben.

Wir sind noch nicht ganz am Ende. Lektorat und Schlussredaktion fehlen noch. Ein Cover von Grafikdesignerin Jasna Wittmann ist gerade im Entstehen. Und dann kommt natürlich die Frage: Wo im großen Selfpublishing-Universum fühlen wir uns wohl für einen Start in die Welt des gedruckten Buches? Das muss noch entschieden werden. Aber eins ist klar: Wir wünschen Marta, unserem Romanexperiment, nur das Beste auf ihrem Weg und drücken die Daumen für viele Leser, die sich unterhalten fühlen, eintauchen in Martas Welt und am Ende seufzen, weil es schade ist, dass das Buch schon zu Ende ist.

 

 

 

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Wer steht da auf dem Sockel?

August II in Wolfenbüttel

Ob man auf Reisen Denkmäler besucht oder nicht, ist eine Geschmacksfrage: Manch ein Tourist mag es, erhabene Männer auf Sockeln ob ihrer Taten zu bewundern. Große Fürsten beweisen beispielsweise auffallend oft martialisch ihre Stärke zu Pferde. Das erzählt Geschichte, vor allem ihre Glanzpunkte – oder das, was man dafür hielt, als das steinerne oder bronzene Ebenbild geschaffen wurde.

Was aber machen wir mit einem Herrscher, der neben seinem Pferd steht, wie August II in seinem Denkmal im Zentrum von Wolfenbüttel? War etwa schwach oder konnte er gar nicht reiten? Was erzählt uns sein Standbild?

Entstanden zur Verschönerung der Stadt knapp 250 Jahre nach Augusts Tod, wollte die Stadt ihren Größten ehren. Da ist er in guter und reichlicher Gesellschaft: Das im 19. Jahrhundert erwachte Geschichts- und Nationalbewusstsein hat viele Denkmäler bis in die Kaiserzeit hinein hervorgebracht, so auch das Augusts im Jahr 1904.

Doch einen Feldherrn hat Wolfenbüttel in August nicht zu bieten. Ein Schöngeist war er. Mehrere Sprachen hat er studiert und mit seiner Sammelleidenschaft für Bücher eine der größten Bibliotheken des 17. Jahrhunderts aufgebaut, die auch heute noch Weltruhm hat. Um die deutsche Sprache hat er sich verdient gemacht, schrieb auf Deutsch und war Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, einer ersten Interessensgemeinschaft, die  die Vereinheitlichung und Förderung der deutschen Sprache vorangetrieben hat. Außerdem hat August sein Land reformiert und mit Weitblick versucht, die Folgen des 30jährigen Krieges zu überwinden.

Wie soll man das erzählen mit einem Denkmal? Eine reine Dichter- und Denkerpose kommt ebensowenig infrage wie ein kriegerischer Impetus. Also mischt der Bildhauer, stellt den offensichtlich zivil gekleideten Herzog mit einem Langschwert dar. Seine Hand aber befindet sich nicht am Heft, zeigt keine Ambition, die Waffe zu ziehen. Das Pferd steht ruhig neben ihm, aber es ist gesattelt. Was soll das heißen? Soll es uns sagen, dass der Herzog, wenn nötig, bereit gewesen wäre, aufzusitzen und loszupreschen? Es war nicht nötig. Die Umstände haben ihn zu einem friedlichen Fürsten gemacht. Und so steht er da. Ein Reiterstandbild, das seinen Namen auch verdient.