Das Ehrenamt hält viele gesellschaftliche Bereiche erst am Laufen.
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Schreiben – ehrenhalber

Mein letzter Blogpost liegt jetzt über einen Monat zurück. Paradoxerweise handelte er davon, dass ich auch im Urlaub schreiben würde. Nun – das habe ich nicht. Zumindest nicht hier. Stattdessen habe ich mir eine neue Beschäftigung an Land gezogen: Ich arbeite für ein Kulturzentrum, dessen Ziel es ist, Geflüchtete zu integrieren und ihnen in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich einen Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Dort betreue ich die Öffentlichkeitsarbeit – ehrenamtlich. Das ist Ehrensache. Schon lange haben mein Mann und ich nach einer Möglichkeit gesucht, uns sowohl kulturell als auch bei der Integrationsförderung zu engagieren.

Der Verein One World Reinstorf e.V. hat ziemlich beeindruckende Ziele: Im alten Gasthaus in unserem Nachbardorf sollen von Donnerstag bis Sonntag Konzerte, aber auch Diashows, Filme,  Ausstellungen und Tanzveranstaltungen stattfinden. Dazu gibt es einen wunderschönen Saal mit Bühne und professioneller Technik. Zusätzlich haben wir Gastronomie. In diesem Umfeld sollen Jobs für Geflüchtete entstehen, die natürlich in Schulungsprogrammen in der Gastro und Veranstaltungstechnik richtig ausgebildet werden. Dazu muss aber der Laden laufen. Es müssen also genügend Veranstaltungen her, die dann auch noch gut besucht werden, damit Geld nach allen Kosten für die Integrationsarbeit übrig bleibt. Und es müssen genügend Gäste die Gaststätte besuchen. – Das ist nämlich ein weiteres Ziel: Unsere Dörfergemeinschaft wieder zu beleben und Angebote zu machen, für die nicht in die Stadt gefahren werden muss.

Für Pressepräsenz muss man ständig am Ball bleiben

In diesem Umfeld habe ich mich nun bereiterklärt, bei der Öffentlichkeitsarbeit mitzuhelfen. Immerhin kann ich professionell Texte schreiben. Das  ist aber nur ein Teil meiner Arbeit. Wir brauchen dringend Aufmerksamkeit, damit die Menschen überhaupt wissen, dass es uns gibt. Also muss dafür gesorgt werden, dass die Presse regelmäßig Termine veröffentlicht, am besten auch redaktionelle Beiträge. Dazu sind Telefonate, E-Mails und Absprachen nötig, Online-Portale müssen bedient werden. Zusätzlich schreibe ich noch den Newsletter für die Vereinsmitglieder und die Interessierten.

Wahrscheinlich wäre das alles gar nicht so wild, wenn die Strukturen schon stehen würden. Aber das ist noch nicht der Fall. Der Verein existiert seit März und alle Abläufe kommen erst so langsam ans Laufen. Seit Juli habe ich damit viele Stunden verbracht und so kaum Zeit für anderes gehabt. Tut es mir leid? Nein. Natürlich nicht. Ich möchte, dass One World funktioniert. Es ein fantastisches Konzept. Und es ist eine große Herausforderung, das alles mit Ehrenamtlichen zu stemmen. Aber wir wollen, dass es gelingt.

Deadlines in der Freizeit

Natürlich muss ich nach dem Urlaub auch wieder arbeiten und habe weniger Zeit zur Verfügung. Aber immerhin habe ich mich trotzdem auch wieder auf Schreibentreiben besonnen. Es beginnt also hoffentlich so langsam, rund zu laufen, nachdem die ersten Hürden gemeistert sind. Ich bin optimistisch. Und demnächst gibt es einen Praktikanten, der Teile des Marketing mit übernimmt.

Man kann natürlich darüber geteilter Meinung sein, ob man seine professionell genutzten Fähigkeiten, sprich: die beruflichen Qualifikationen, auch noch im Ehrenamt einsetzen sollte. Aber ich habe nun mal spezielle Stärken und es lohnt sich vor allem diese für die Gemeinschaft einzusetzen. Auch wenn ich dann auch noch in meiner Freizeit etwa in den Stress von Deadlines gerate.

Trotzdem: was wäre unsere Gesellschaft, wenn es nicht Menschen gäbe, die sich mit noch viel mehr einbringen, als ich es tue? Dafür haben sie meinen ganz großen Respekt. Ich bin froh, dass ich ein Projekt gefunden haben, das ich gerne mache und das ich aus vollem Herzen unterstützen kann.

 

 

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Toskana, Sehnsuchtsort

Italien ist mein Sehnsuchtsort. Ein paar Mal war ich dort. Das erste Mal schon als kleines Kind. Wahrscheinlich hat mich das gleich infiziert. Um ehrlich zu sein: So richtig kennengelernt habe ich bisher nur die Toskana. Die aber gefällt mir ausgesprochen gut. Es gibt wohl kaum eine Region, die eine solche Kulturdichte zu bieten hat und das in einer Landschaft, deren Schönheit nur schwer zu überbieten ist. Grund genug, eine Einladung auszusprechen, eine der schönsten Gegenden dieser Welt kennenzulernen – auf meine Art:

Michelangelo, Medici und die Renaissance

Verabschiede dich zunächst vom Gedanken, dass sich ein Urlaub in Italien nur gelohnt hat, wenn du möglichst viele kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigt hast. Nehmen wir z.B. die Toskana: Eine Region in Mittelitalien, die niemand wieder verlässt, ohne nicht mindestens Florenz, Pisa und Lucca inklusive ihrer kühlen Kirchen, ihrer außen schlichten und innen so prunkvollen Paläste und ihrer reichlich gefüllten Museen besucht zu haben. Keine Frage: Das sind alles beeindruckende Zeugnisse von Italiens großer Kulturgeschichte, in der etwa Michelangelo oder Da Vinci die Toskana zum Zentrum der Renaissance gemacht haben. Verschwiegen werden sollen auch nicht die mächtigen und äußerst kunstsinnigen Medici, aber auch all die anderen großen Geschlechter, die überall ihre Spuren hinterlassen haben – vor allem in den Geschlechtertürmen, die in fast jedem noch so kleinen Ort weithin sichtbar hoch aufragen und von der einstigen Macht ihrer Erbauer erzählen. Natürlich: All das muss man irgendwann gesehen haben in der Toskana.

San Gimignano
Geschlechtertürme in San Gimignano

Aber dann plane mindestens eine Woche ein, in der du keinen Ort betrittst, der mehr als 500 Einwohner hat. Erst dann wirst du das wahre Italien erleben und erkennen, was die Toskana so einzigartig macht.

Käse und Wein zum Sonnenuntergang

Gönne dir diese Tage für die Erhabenheit der Zypressenalleen, die Üppigkeit der Sonnenblumenfelder und die Kargheit der Olivenhaine. Schon seit der Etruskerzeit ist die Toskana eine durch den Menschen geformte, einzigartige Kulturlandschaft, sie wurde bepflanzt, befestigt, bewässert und auf diese Weise verändert zu einem einzigen großen Landschaftsgarten.

Reife Zitrone in der Toskana
Sogar die Zitronen machen hier Appetit.

Wandere durch die Landschaft oder steig zumindest aus am Wegrand und atme die harzige Luft unter den Pinien. Wenn du Glück hast, sind die Zapfen gerade reif und du kannst ein paar der schmackhaften Kerne ernten. Fahre ins Chianti und verkoste in einer Fattoria unter alten Eichen die kräftigen Weine, die nirgends so gut schmecken, wie dort an dem Ort, wo sie gedeihen und wo sie gekeltert wurden. Am Abend lass dich in einem Ristorante verwöhnen mit Pasta, Wildschwein und Trüffel.

Das macht Appetit
Oliven, Käse, Schinken in einer Ladenauslage

Dein Urlaub in Italien soll auch Meer bieten? Bitteschön: Die Mittelmeerküste im Westen der Toskana  ist wie gemacht für einen Sundowner am Strand. Genehmige dir dazu ein paar der ebenso einfachen wie schmackhaften toskanischen Antipasti – viel perfekter kann ein Abend nicht sein.

Sonnenuntergang in Viareggio
Sonnenuntergang in Viareggio

Und wenn du dann noch abwartest, bis es dunkel ist und über dir der Sternenhimmel seine funkelnde Unendlichkeit ausbreitet, weißt du, dass du im Paradies bist . Schenk dir jetzt ein Glas Rotwein ein, nimm dazu etwas Pecorino, Olivenöl und Brot und genieße diesen Augenblick!

 

Sogar einige Polster sind noch Original in Siegfried Böttchers Cadillac von 1941.
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Vier Oldies mit Charakter und Rhythmus im Blut

Wer sagt eigentlich, dass das wahre Leben nur in der Stadt tobt? Dass es nur dort coole Typen, coole Clubs und coole Autos gibt?
Zumindest am 12. Mai ist in Reinstorf in der Nähe von Lüneburg alles zusammengkommen. Und das bestimmt nicht zum letzten Mal.
Das OneWorld in Reinstorf ist, um es mal salopp auszudrücken, eine Kulturkneipe im besten Wortsinn. Seit ein paar Monaten gibt es hier mindestens einmal in der Woche Live-Musik zuhören. Vieles mehr, wie etwa Ausstellungen und Tanzveranstaltungen, gibt es ebenfalls schon oder sind noch geplant. Abgesehen davon ist OneWorld ein Verein, der aktiv die Integration von Geflüchteten fördert.

Jens Thomsen von OneWorld hat einen guten Riecher für Künstler. Vor ein paar Wochen habe ich die Singer-Songwriterin Jamica Blackett, ehemalige Voice-Kids-Teilnehmerin, mit eigenen und Coversongs gehört. Die junge Künstlerin hat mich mit ihrer Unbefangenheit und Präsenz sofort in ihren Bann gezogen. Das macht definitiv neugierig  auf ihren weiteren musikalischen Weg.

Und nun gab es The Bleck Cadillac Three mit Bluesrock.  Die gestandenen Herren sind erfahrende Musiker, wenn auch in dieser Konstellation noch ziemlich jung. Eben Oldies vom Feinsten, mit einer gewissen Lässigkeit und Ironie. Ihre Beats rissen mit, wenn auch zunächst nur verhalten die Köpfe der Zuschauer rhythmisch nickten oder Finger trommelten. Später hielt es dann doch einige Gäste nicht mehr auf ihren Plätzen und so füllte sich gegen Ende die Tanzfläche immer mehr.

Auch bei den ruhigeren Blues ging die Melancholie der Musik spürbar auf das Publikum über. Echt und persönlich kamen die durchweg individuell interpretierten Stücke rüber. Es fiel mir nicht schwer mir vorzustellen, in der flirrenden Südstaatensonne auf der Treppe einer Holzbaracke zu sitzen und mit Blick auf die Baumwollplantage dem Mann mit der Gitarre zu lauschen, wie er singt von seiner Liebe und seinen Sehnsüchten – zwischenzeitlich mit ziemlich wilden Riffs à la Jimi Hendrix. Ich träume weiter: Fährt dahinten durch die Allee nicht der Plantagenbesitzer in seinem Cadillac?

Der Oldtimer stammt aus dem Jahr 1941 und ist einem fantastischen Zustand.
Der Cadillac von 1941 vor One World in Reinstorf

Ach, wir sind ja in Reinstorf!
Der Cadillac aber ist echt und der Hingucker des Abends. Zumindest in der Pause. Siegfried Böttcher zeigt mir seinen Wagen ausführlich und erzählt von seiner Liebe zu alten Autos. Der chromblitzende Oldtimer aus dem Jahr 1941 ist in einem fantastischen Zustand, sogar noch Teile des Polsters. Ich vermute, dass da mehr Pflege drinsteckt, als der Besitzer zugeben mag. Beeindruckend finde ich das Bordtelefon. In einem Oldtimer? Ja – wenn ich mich richtig erinnere, 1954 nachgerüstet. Wer Geld hatte, konnte sich damals eben auch schon die neueste Technik leisten. Das Bild mit dem Plantagenbesitzter war vielleicht gar nicht so falsch.
Aber mitfahren, das würde ich schon gerne einmal und rausfinden, ob er soviel Rhythmus im Blut hat wie die Jungs, die ihn in ihrem Bandnamen verewigt haben.

Die Bleck Cadillac Three durften das vermutlich schon testen. Ihnen hat Siegfried Böttcher seinen Wagen nämlich für ihr Bandfoto zur Verfügung gestellt.
Ich tröste mich: Mir bleibt ja immer noch meine Phantasie. Also schließe ich die Augen und schon bin ich da: auf dem Highway irgendwo zwischen New Orleans und Chicago. Und dabei spielen The Bleck Cadillac Three A Spoonful of Bluesrock …

 

*Ich bedanke mich bei Siegfried Böttcher für die Ausführungen zu seinem Wagen und für die Genehmigung, die Fotos hier veröffentlichen zu dürfen.